Neueste Beiträge

Selbstkontrolle: Die Magie des Verzichts

Die Erfahrung ist wie eine Laterne im Rücken; sie beleuchtet stets nur das Stück Weg, das wir bereits hinter uns haben“

(Konfuzius, 551 bis 470 v. Chr.)

Im Jahr 2008 entschied ich mich, meinen sicheren und gutbezahlten Job als Unternehmensberater an den Nagel zu hängen und künftig mein Geld als Extremsportler und Vortragsredner zu verdienen. Das Ganze war natürlich mit einem großen Brocken Risiko behaftet, überhaupt keine Frage. Als Unternehmensberater hatte ich jeden Monat mein sicheres und gutes Einkommen. Dieses war von einem Monat auf den anderen nun weg. Ich musste mich zu Beginn meiner Selbstständigkeit mehr als einmal fragen, wie ich den kommenden Monat finanziell überstehen und wie es überhaupt weitergehen kann. In den Anfangsjahren musste ich auf jeden Euro achten und war über jeden einzelnen Vortrag glücklich, den ich halten durfte. Meine Lauf-Expeditionen waren, speziell zu Beginn meines Unternehmertums, zum Erfolg verdammt. Ein Scheitern konnte ich mir fast nicht leisten. Ich musste meine sportlichen Projekte zunächst komplett aus eigener Tasche vorfinanzieren. Finanzsponsoren, die bekannte Extrembergsteiger unterstützen, hatte ich nicht. Deshalb musste ich zunächst in Vorleistung gehen und hoffen, dass die sportlichen Projekte am Ende das Geld in Form von Vorträgen und Büchern wieder hereinholten. Das brachte mir mehr als nur eine schlaflose Nacht. Doch nur weil ich ein Risiko einging und kurzfristig Verzicht übte, kam ich langfristig auf den für mich richtigen Weg.

Nur weil ich meine Komfortzone verlassen und auf kurze Sicht Opfer gebracht habe, führe ich heute ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben. Mein Wille und meine Selbstkontrolle haben mich dorthin gebracht, wo ich heute stehe. Es gab Tausend Dinge, die dagegen sprachen, mich dem „Beruf Extremsportler“ zu widmen. Unzählige Gründe hätten den Aufbau eines eigenen Unternehmens verhindern können: Absagen, Zurückweisungen, Liquiditätsprobleme und andere Risiken. Aber meine langfristige Perspektive sah ich persönlich eben positiv. Und genau diese Perspektive, aus meiner großen Leidenschaft einen Beruf zu machen, ließ mich immer wieder meine persönliche Komfortzone verlassen und auch schwierige, unangenehme Aufgaben in Angriff nehmen. Wenn es kritisch wurde, dachte ich fünf bis sechs Jahre voraus und stellte mir vor, wie ich als Unternehmer erfolgreich bin.

Einige Menschen sind bereit, den Preis für ihren Erfolg zu bezahlen. Und zwar lange bevor er in Sichtweite kommt. Sie denken langfristig. Die meisten Menschen aber besitzen einen kurzen Zeithorizont. Sie streben nach unmittelbarer Belohnung und legen oft Verhaltensweisen an den Tag, die langfristig negative Folgen haben. Diese Menschen verweilen lieber in ihrer Komfortzone. Warum ist das so? Weil der Mensch über ein zweipoliges Antriebssystem, eine Art inneres Betriebssystem, verfügt: Freude und Schmerz. Grundsätzlich versucht unser Gehirn stets, Schmerzen zu vermeiden und Freude zu erfahren. Dabei ist das Bedürfnis, Schmerzen zu vermeiden, der stärkere von beiden Faktoren. Wenn wir uns nun beispielsweise vornehmen, mit Sport anzufangen, müssen wir zunächst die Hürde „kurzfristiger Schmerz“ bei den ersten Trainingsstunden überwinden, um mittel- bis langfristig das Ziel „Freude“ beim Sport erlangen zu können. Und das erfordert die Überwindung des berühmten inneren Schweinehundes. Zumindest zu Beginn. Deshalb ziehen viele Menschen lieber die kurzfristige Freude (Schokolade) der langfristigen (schlanke Figur durch Sport) vor und bleiben in ihrer Komfortzone.

Erfolgreiche Menschen sind bereit, in den sauren Apfel zu beißen. Sie tun dies, weil ihnen ihre Ergebnisse und langfristige Perspektive wichtig sind. Weniger erfolgreiche Menschen sind bestrebt, möglichst angenehme Methoden zu finden, um durch das Leben zu gehen. Sie suchen Entspannung, liegen in der Sonne, lenken sich ab, verlieren sich in alltäglichen Banalitäten, während erfolgreiche Menschen bestrebt sind, an sich und ihren Zielen zu arbeiten.

Mein Impuls

Kurzfristige Opfer sind der Preis, den du für langfristige Sicherheit bezahlen musst. Verzögerte Belohnung ist der Schlüssel zum Erfolg. Denk immer an die langfristigen Folgen deines Tuns! Das erfordert Disziplin und Selbstkontrolle. Und diese Fähigkeiten sind jedem Menschen möglich.

Wenn es dir gelingt, dich selbst zu kontrollieren und nicht jedem Verlangen sofort nachzugehen, musst du zwar kurzfristig Verzicht üben, hast jedoch auf lange Sicht viele Vorteile. Das Maß, in dem es dir gelingt, den Preis des Erfolgs im Voraus zu bezahlen und auf Belohnungen zu verzichten, bis du dein Ziel erreicht hast, entscheidet über den wahren (langfristigen) Erfolg.

Auf was verzichtest du, um deinen großen Zielen ein Stück näherzukommen?

Expeditionsseminar in den Oman: Eine Tour durch die Rub al Khali

Freudestrahlend schaue ich hoch an den wolkenfreien Himmel, an dem die Sonne wie eine Königin thront. Dabei macht sich eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körper breit. Es prickelt in mir vom Kopf bis zur Fußspitze. Ich bin völlig losgelöst von allem. Bin ganz bei mir angekommen. Bin einfach nur da. Meine Beine, meine Arme, meine Füße, mein Kopf – alles fühlt sich ganz leicht an. Eine grenzenlose Weite umgibt mich. Ich genieße die Ruhe. Eine Stille, wie ich sie lange nicht mehr erleben durfte. Wohin ich auch schaue. Nichts. Nichts – außer Wüste. Ich befinde mich mitten in der größten Sandwüste der Erde, sitze auf einer Sanddüne, blicke über eine majestätische Landschaft und bin völlig im Hier und Jetzt. Genauer gesagt bin ich in der Rub al Khali im Sultanat Oman. Die Wüste, auch das „Leere Viertel“ genannt, bietet pure Einsamkeit, wunderschöne Dünen und einen prächtig funkelnden Sternenhimmel. Die Rub al Khali gehört bis heute zu den unzugänglichsten Gebieten unserer Erde. Sie stellt gleichzeitig einen inspirierenden Raum dar, der anregt, über seine Träume, Lebensziele, Visionen und den persönlichen Lebenssinn nachzudenken.

Während ich diese Zeilen in meinem Büro in Waldbronn schreibe, huscht mir ein Lächeln über den Mund. Fast ein ganzer Monat liegt nun schon zwischen heute und dem Abflug in den Oman. Genügend Abstand, um diese Reise ein wenig Revue passieren zu lassen.

Am 3. November 2017 startete diese für mich ganz besondere Reise. Eine Premiere. Mein allererstes Expeditionsseminar (so habe ich diese Reise getauft) stand an. Seit vielen Jahren habe ich bereits über diese Art der Reise nachgedacht. Eine Mischung aus Abenteuerreise mit Seminarinhalten. Eine Kombination aus Outdoor und Workshops. Jetzt habe ich dieses Ziel in die Tat umgesetzt.

„Dieses Expeditionsseminar ist mehr als nur ein Abenteuer. Es ist eine Reise, ein Weg zu dir selbst.“ Diese Worte stammten aus der Broschüre, mit der ich auf meiner Website für diese Reise warb. In den vergangenen zehn Jahren habe ich zahlreiche Wüsten bereisen und durchqueren dürfen. Komplett alleine und im Team. Beispielsweise bin ich durch die Wüste Gobi in der Mongolei, die Kalahari in Südafrika, die Atacama Wüste in Chile, die Great Victoria Desert in Australien oder durch die Kavir Wüste im Iran gelaufen. Die eindrucksvolle Stille, die vollkommene Abgeschiedenheit und die unendliche Weite faszinieren mich jedes Mal aufs Neue. Daher war für mich klar: meine erste Seminarreise geht in die Wüste.

Selbst nach vier Wochen zeitlichem Abstand ist es schwer, das Erlebte in Worte zu kleiden. Ich habe vielfältige, horizonterweiternde Eindrücke durch diese Expedition gewonnen. In den ersten beiden Tagen der Reise waren wir alle – die Crew, die fünf Teilnehmer und ich als Workshopleiter – noch sehr in unserem Alltag gefangen. Bevor es in die Wüste ging, verbrachten wir noch eine letzte Nacht in einem luxuriösen Hotel in Salalah, der zweitgrößten Stadt Omans. Emails checken, Telefonate führen, Geschäfte regeln stand bei vielen noch auf dem Programm. Doch nur zwei Tage später – in der Wüste angekommen – verloren diese Dinge für uns alle an Wichtigkeit. Wir genossen es, uns voll und ganz auf die Wüste einzulassen. Keine Störungen. Keine Ablenkungen. Kein Lärm. Keine anderen Menschen. Keine Autos. Keine Geräusche. Nur wir und die unglaubliche Weite der Wüste. Besonders die Gespräche und Workshops mit den Teilnehmern empfand ich als absolute Bereicherung. Wie manche Teilnehmer ihr Herzblut, ihre Leidenschaften, ihre Lebensphilosophie in den Workshops am Nachmittag offenbarten und diese mit den anderen teilten. Tiefgründige und gewinnbringende Gespräche rundeten die Tage in der Wüste ab. Was ist der Sinn des Lebens? Auf welche Weise lässt sich eine Vision in ein Unternehmen tragen? Was ist wirklich wichtig im Leben?

Ein Highlight für uns alle waren die grandiosen Natureindrücke. Allein die Dimensionen der Sanddünen: teilweise 100 bis 200 Meter hoch. G-I-G-A-N-T-I-S-C-H! Das raubt dir den Atem in Anbetracht dieser Schönheit der Natur. Die Formen und Farben der Dünen schienen wie gemalt. Dazu die verschiedenen Farbfacetten des Sands: von gold über rotbraun bis zu blaugrau. Ein faszinierender Anblick. Und dann diese unendliche Weite. Du kommst dir als Mensch in dieser endlos erscheinenden Wüstenlandschaft wie ein absoluter Winzling vor. Wie klein und unbedeutend du bist, kommt es mir in diesen Tagen in der Wüste immer wieder in den Sinn. Ein Pups im Universum. Die Tage in der Rub al Khali erdeten die Teilnehmer und mich ungemein und rückten unseren Blick wieder in die richtige Perspektive.

Ein weiterer Höhepunkt war es, jeden Nachmittag unser Zelt inmitten dieser sagenhaften Kulisse aufschlagen zu dürfen. Einfach nur da zu sein, in der Wüste zu sitzen, die Umgebung bewusst wahrzunehmen und jedes Detail in sich aufzusaugen. Die wechselnden Farbnuancen am Himmel oder den beeindruckenden Sternenhimmel. Es stellte für uns ein großes Stück Freiheit dar, hier in einer der entlegendsten Landschaften der Erde sein zu dürfen. Kein Geld der Welt können solche Momente ersetzen. Das köstliche Abendessen, liebevoll von der omanischen Crew zubereitet, schmeckte wie ein Fünf-Gänge-Menü in einem Nobelrestaurant. Genau diese Einfachheit empfanden wir als absolutes Privileg. Mit einem zufriedenen Lächeln legte ich mich jeden Abend in meinen Schlafsack in dem Bewusstsein, im schönsten Bett der Welt nächtigen zu dürfen: unter freiem Himmel, von unzähligen Sternen umringt.

Zehn Tage später. Wir sind mittlerweile wieder in Deutschland. Unsere sandigen Wüsten-Wanderstiefel haben wir wieder gegen normale Straßenschuhe eingetauscht. Der massar und die dishdasha – die traditionelle Bekleidung der Omanis – wurde durch warme Pullover und dicke Daunenjacken ersetzt. Auf die Stille und Weite der Wüste sind wieder die Geschäftigkeit und der Lärm der westlichen Welt gerückt. Was bleibt ist zum einen die Erinnerung. Und zum anderen die Erkenntnis, ein Stück weiter seines Weges der persönlichen Lebensreise gegangen zu sein.

Der Monat der ersten Male

Der November hat es für mich in diesem Jahr in sich. Im positiven Sinne. Ich habe mich lange auf diesen Monat vorbereitet und mir hohe Ziele gesteckt. Doch sind es Ziele, von denen ich weiß, dass ich sie erreichen kann und erreichen werde, was ich von einem bereits behaupten darf: (mehr …)

Weniger ist mehr

In vorangegangenen Blogartikeln habe ich bereits über die Definition von Erfolg geschrieben. Dies ist eines meiner Lieblingsthemen, denn die richtige Definition entscheidet oft, ob wir glücklich oder unglücklich sind.

Ein wunderbares Beispiel möchte ich heute hierfür aufgreifen und Euch davon erzählen: (mehr …)

Erfolg ist relativ

Ein Extremsportler wie ich lebt vom Erfolg, das ist mein Ziel, wenn ich einen Lauf oder gar eine komplette Expedition starte. Ein Beispiel hierfür ist der Ultra-Trail Mont Blanc, den ich nach langer Vorbereitung in 2007 absolviert und auch beendet habe. Meine Platzierung? (mehr …)

Ab in die Wüste – mein Expeditions-Seminar in den Oman beginnt

In zwei Tagen ist es soweit. Ein neuer Wüstenlauf steht für mich auf dem Programm. Dieses Mal zieht es mich in die Rub al-Khali, die größte Sandwüste der Welt im Oman. Ich kann es kaum erwarten, denn Expeditionen dieser Art unterscheiden sich deutlich von anderen. (mehr …)

Zwischenziele: Die Macht der Aufteilung

„Nichts ist besonders schwer, wenn du es in kleine Aufgaben teilst“ –

(Henry Ford, 1863–1947)

Für mein erstes Buch „EXTREM – Die Macht des Willens“ habe ich über drei Jahre gebraucht. Zunächst war ich voller Elan und hochmotiviert, mein großes Ziel „eigenes Buch schreiben“, anzugehen. Doch ich kam nicht in die Gänge. Die Blätter, auf das ich mein Manuskript schrieb, blieben häufig leer. Ich war verzweifelt und frustriert. Heute kenne ich die Gründe für diese Situation, in der ich mich befunden hatte. Ich habe mich monate- und jahrelang selbst sabotiert. In meinem Kopf war es unmöglich, 250 Seiten mit Inhalt zu füllen. Meine Gedanken sagten zu mir: Du hast noch nie ein Buch geschrieben, du weißt noch nicht genug, du bist nicht gut genug dafür. Anstatt mir das jedoch einzugestehen, habe ich jeden Tag andere Dinge gemacht. Kleine Sachen, wie Briefe oder E-Mails beantworten, jemanden anrufen, spazieren gehen. Ich ertappte mich ständig dabei, wie ich mich permanent in unwichtige Alltagsarbeiten verstricken ließ. Warum ging ich diesen belanglosen Tätigkeiten nach? Weil ich das Gefühl der subjektiven Überforderung spürte. Was bedeutet das? Du setzt dir ein großes Ziel und weißt, dass es ganz viel Arbeit und Energie kostet. Dein Endziel ist vor deinem inneren Auge vollkommen außer Reichweite. Weit und breit ist für dich keine Ziellinie, kein Gipfel in Sicht. Ein Gefühl der Unerreichbarkeit überkommt dich. Subjektive Überforderung. Genau in diesem Zustand befand ich mich.

Dann lernte ich die Macht der Aufteilung kennen. Das bedeutet, du unterteilst dein großes Ziel in einzelne machbare Zwischenschritte.

Anstatt 250 Seiten auf einmal zu Papier zu bringen, habe ich mir zum Ziel gesetzt, jeden Tag nur eine Seite zu schreiben. Nur eine Seite – 250 Tage lang. Das war anfangs eine enorme Herausforderung. Selbstdisziplin in Reinform. Jeden Abend habe ich mich an meinen Schreibtisch gesetzt und angefangen zu schreiben und war stolz wie Oskar, wenn ich wieder eine Seite geschafft hatte. Mit der Zeit ging es immer leichter und schneller. Das ist die Macht der Aufteilung. Die Macht der kleinen Zwischenziele. Sie schützt uns vor der subjektiven Überforderung.

Als ich mit dem Ultramarathonlaufen vor 13 Jahren begonnen habe, fiel mir bei sehr vielen Wettkämpfen immer wieder ein bestimmter Läufer auf. Ob beim legendären 100 Kilometer-Lauf in Biel, beim 6-Stunden-Lauf in Nürnberg oder beim Fidelitas Nachtlauf in Karlsruhe. Immer wieder tauchte das Gesicht eines etwas älteren Herrn auf. Weißer Vollbart, schwarzes Kopftuch, sympathisches Gesicht. Mein erster Gedanke war: Ganz schön alt. Doch er schien jedes Mal topfit zu sein. Bei jedem Lauf erreichte er das Ziel. Vor dem Lauf am Mont Blanc kamen wir schließlich ins Gespräch. Er stellte sich als Bernhard vor. Wir verstanden uns sofort und redeten gleich über Gott und die Welt. Er erzählte mir von seinen Laufabenteuern, die ihn schon in die entlegensten Winkel der Erde geführt hatten. Zum Beispiel vom legendären Badwater Ultramarathon im Tal des Todes in den USA. 217 Kilometer und über 4.000 Höhenmeter nonstop bei teilweise fünfzig Grad. Unfassbar! Einige jüngere Läufer mussten aufgeben, doch er beendete dieses Rennen erfolgreich. Ich war, gelinde ausgedrückt, stark beeindruckt von ihm. Fast wäre ich auf die Knie gefallen und hätte ihm seine Schuhe geküsst. Zu diesem Zeitpunkt war ich Mitte 20 und noch total unerfahren im Bereich Ultramarathon. Vor den gewaltigen Leistungen Bernhards hatte ich allergrößten Respekt. Und irgendwann wollte ich von ihm wissen, wie alt er denn sei. Das interessierte mich brennend. Mich haute es fast aus meinen Laufschuhen, als er zu mir sagte, dass er 62 Jahre war. Ich war hin und weg und fragte mich: Wie schafft es ein 62-jähriger Mann Distanzen von 100 Kilometern und mehr zu laufen? Was ist sein Erfolgsgeheimnis? Und genau diese Frage stellte ich ihm. Was war seine Antwort? Er sagte mir mit seiner tiefen Stimme: „Ich laufe nicht 100 Kilometer, sondern einen Kilometer – 100 Mal!“

Das ist die Macht der Aufteilung. Bernhard konzentrierte sich immer nur auf den jeweiligen Kilometer und konnte so die ganze Strecke laufen. Bei einer Konzentration auf die gesamte Strecke hätte ihn allein der Gedanke daran schon völlig abgelenkt und ermüdet. Begeistert von dieser Erkenntnis fing ich an, genau dieses Prinzip auf mich zu übertragen. Und von da an gingen meine Gedanken bei den Läufen immer nur bis zum nächsten Verpflegungspunkt oder beschränkten sich auf den aktuellen Kilometer. Ich denke heute teilweise nur noch an den jeweils nächsten Schritt. „Jeder gelaufene Meter bringt dich deinem großen Ziel ein Stück näher“, habe ich dann im Hinterkopf. Die gesamte Strecke, die gesamten 1120 Kilometer wie bei meinem Lauf durch Australien sind völlig ausgeblendet. Damit erhalte ich eine ganz andere Einstellung gegenüber Distanzen. 1120 Kilometer kann ich mir nur schwer vorstellen. Aber acht Kilometer oder auch zwölf Kilometer sind noch überschaubar. Was ist dein nächster Kilometer in deinem „Berufsmarathon“? Ein dringendes Telefonat? Eine wichtige Prüfung? Die entscheidende Verkaufspräsentation? Der Abgabe des Projektplans?

Mein Impuls

Ein großes Ziel liegt häufig in weiter Ferne, ist nicht greifbar und momentan noch nicht vorstellbar. Da fällt es einem oft schwer, überhaupt den ersten Schritt Richtung Ziel zu machen. Die Motivation zu handeln, geht dann fast gegen null. Wenn du dir nun ein kleines Teilziel von diesem großen Ziel ableitest und dir dieses als nächstes Ziel vornimmst, macht dies einiges leichter. Dieses neue Ziel, dieses Teilziel, ist greifbarer und du bist motivierter den ersten Schritt dorthin zu unternehmen. Das hat wiederum die ersten Erfolgserlebnisse zur Folge. Beflügelt davon, wirst du die nächsten Schritte auf dem Weg zum Ziel unternehmen und dann dein Teilziel erreichen. Nach dem ersten Teilziel nimmst du dir die nächsten Schritte Richtung zweites Teilziel vor und so weiter, bis du eines Tages, nach Tausenden von Schritten und vielen Meilensteinen später endlich am großen Ziel bist.

Motive: Erkenne, akzeptiere und lebe deine Werte

Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.

(Friedrich Wilhelm Nietzsche, 1844–1900)

Im Oktober 2012 nehme ich bei einem der anspruchsvollsten und gleichzeitig beeindruckendsten Wüstenrennen der Erde teil: dem Kalahari Extreme Marathon in Südafrika. Dieser Lauf geht über insgesamt 250 Kilometer in sechs Etappen durch den südlichen Teil der Kalahari Wüste. 45 Läuferinnen und Läufer aus der ganzen Welt sind am Start. Unter ihnen ein junger Mann, der sich schon aufgrund seiner äußeren Erscheinung deutlich von den anderen Läufern unterscheidet: Kian aus Singapur. 34 Jahre alt, Vater von zwei Kindern und fast immer gut drauf. Ein richtig lockerer Zeitgenosse ist das. Als ich ihn vor dem Lauf in Johannesburg zum ersten Mal sehe, denke ich: Hmmm, was will denn der hier? Von seinem Äußeren passt er eher zum Sumo-Ringen als zum Laufen. Der bringt mindestens 100 Kilogramm auf die Waage. Ein Koloss von einem Mann. Wie will denn der mit so einer Statue diesen sehr anspruchsvollen Wüstenlauf bestehen? Das schafft er nie. Absolut ausgeschlossen.

Als wir im Hotel unsere Rucksäcke für den Lauf packen, erzählt mir Kian stolz, dass er durch das Training für diesen Lauf bereits 20 Kilogramm abgenommen hätte. Von 125 auf 105 Kilogramm. Mehr aus einem Verantwortungsgefühl heraus frage ich ihn daraufhin: „Wie viele Marathons bist du denn schon gelaufen?“ Nach meiner Einschätzung hätte jetzt so etwas kommen müssen wie: schon dutzende Marathons und auch schon den einen oder anderen Ultramarathon. Kian aber reagiert völlig verblüfft und antwortet mir: „Ich habe noch keinen einzigen Marathon gemacht. Mein längster Wettkampf ging über zehn Kilometer.“ Ich denke mir im Stillen: „Wow. Das ist ja mal eine gute Basis für solch einen extremen Wüstenlauf. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er aufgibt.“

Für mich ist ein großes Dilemma, denn ich mochte ihn auf Anhieb und bin froh, dass er bei diesem Lauf dabei ist, aber ich habe – gelinde ausgedrückt – ernsthafte Bedenken. Ich bin wirklich drauf und dran, ihm zu sagen: „Junge, lass mal stecken, genieß einfach die Gegend, achte auf deine Gesundheit und fahr in einem der Begleitfahrzeuge des Organisationsteams mit.“

Am nächsten Tag geht das Rennen los. Die erste Etappe über 30 Kilometer ist zum Einlaufen gedacht. 40 Grad Celsius, gleißende Sonne, sandige Strecke. Extrem kraftraubend. Ich bin begeistert von der Landschaft, voll in meinem Element und komme locker ins Etappenziel. Und irgendwann, sehr viel später als alle anderen, erreicht auch Kian das erste Lager. Er ist gut gelaunt, doch wir haben ja noch 220 lange und schwere Kilometer vor uns. Auf der zweiten Etappe, die technisch deutlich anspruchsvoller als die erste ist, gilt es 38 Kilometer zu laufen. Fünf Läufer geben heute bereits auf. Doch Kian hält irgendwie durch, kommt nach 11 Stunden im Lager an. Völlig erschöpft, fix und fertig mit der Welt – aber er ist im Tagesziel. Auch die dritte Etappe hält er irgendwie durch. Am vierten Tag steht die Königsetappe an. 79 Kilometer am Stück. 79 Kilometer durch tiefen Sand, durch gnadenlose Hitze und später auch durch die Dunkelheit. Heute wird sich definitiv die Spreu vom Weizen trennen. Nach 16 Stunden ist der letzte Läufer im Camp angekommen, einige haben aufgegeben, nur einer fehlte überhaupt: Kian. Dann kommt die Nacht. Von Kian keine Spur. Am nächsten Tag geht wieder die Sonne auf. Von Kian immer noch keine Spur.

Doch als niemand mehr wirklich an ihn glaubt, torkelt er heran und finisht auch die Königsetappe. Hundemüde, völlig dehydriert und geschwächt. 27 Stunden hat er für diesen Abschnitt gebraucht, sich mutterseelenallein durch die Nacht gekämpft und nicht aufgegeben. Alle sind fassungslos.

Kian schafft auch noch die letzten zwei Etappen und beendet den gesamten Kalahari Extreme Marathon trotz enormen Übergewichts, entgegen aller Vorhersagen und gegen jede reelle Chance. Unglaubliche 73 Stunden und 10 Minuten ist er gelaufen!

Selbstverständlich musste ich ihn, den vermeintlich Ahnungslosen, anschließend fragen, was sein Geheimnis war. Wie hatte er das geschafft? Und warum hatte er sich diese übermenschliche Anstrengung angetan? Warum das alles?

Was war seine Antwort? Ebenso einfach wie auch sofort einleuchtend und schön: Ein bedeutendes soziales Projekt in seiner Heimat war der tiefere Hintergrund für seine Teilnahme. Dafür war er über seine Grenzen gegangen. Er war für Kinder in den Waisenhäusern Singapurs gelaufen. Jeder Kilometer brachte bares Geld für diese Kinder. Immer wenn es ihm extrem schlecht gegangen, immer wenn Verzweiflung aufgekommen war, hatte er an diese Kinder gedacht. Das imponierte mir sehr und ich kann mich heute noch lebhaft daran erinnern, wie seine Augen leuchteten, als er mir davon erzählte.

Wir können Kians Geschichte übertragen und diese Sinnfrage auch in anderen Bereichen stellen. Warum liest du dieses Buch? Warum gehst du deinem aktuellen Beruf nach? Warum stehst du jeden Morgen auf? Warum bist du mit deinem derzeitigen Partner zusammen?

Vielleicht hast du dir diese Fragen schon länger nicht mehr gestellt. Deshalb ermutige ich dich: Frage dich nach deinem innersten Motiv für die jeweilige Handlung. Von deinen Motiven gehen unerschöpfliche Kräfte aus.

Mein Impuls

Ein eigenes, konkretes und messbares Ziel zu haben ist enorm wichtig. Doch es muss noch etwas Weiteres hinzukommen, um langfristig Motivation zu verspüren: das dazugehörige Motiv.

Die Frage: Warum willst du dieses Ziel erreichen?, musst du dir beantworten können. Denn wenn du dein WARUM kennst, erträgst du auch jedes WIE. Jedes Motiv ist immer stärker als das Ziel.

Deshalb: Lerne deine Motive kennen! Beschäftige dich mit deiner Persönlichkeitsstruktur. Was sind deine persönlichen Motivationsknöpfe? Was treibt dich an? Warum führst du eine bestimmte Handlung aus? Erkenne, akzeptiere und lebe deine Motive! 

atacama – Das Erfolgstagebuch: Ein Projekt von Herzen

Im Laufe der letzten Wochen habe ich in meinen Blogartikeln verstärkt die Themen Glück, Erfolg und Dankbarkeit behandelt. Sie sind stark miteinander verknüpft und teilweise auch abhängig voneinander.

Wir sollten uns zwei Mal täglich darauf besinnen, was das Positive am jeweiligen Tag ausmacht. Morgens notiere ich mir, wofür ich dankbar bin, was mich Wunderbares am kommenden Tag erwartet und was ihn besonders macht. Am Abend notiere ich die Erfolge des Tages, die positiven Dinge. Diese schriftlichen Notizen nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen sind unglaublich wichtig, um einen positiven Blick, eine positive Grundeinstellung auf das Leben zu erhalten. So werden die guten Dinge im Leben visualisiert und festgehalten, so dass man sich jederzeit wieder daran orientieren kann. (mehr …)

Die Definition von Erfolg

Unser Leben ist oft eine ziemliche Achterbahn. Es gibt Höhen und Tiefen, die dazu beitragen wie wir uns fühlen, wie unser weiteres Leben verläuft, welche Entscheidungen wir treffen für unsere Zukunft. Erfolge und Misserfolge begleiten uns. Doch nehmen wir Erfolge überhaupt immer wahr? Oft sind es eher Misserfolge, die uns auffallen, denn sie sind ärgerlich, peinlich, stresserzeugend. (mehr …)