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Rituale: Die unsichtbaren Fäden des Erfolgs

Stell dir vor: Es ist ein ungemütlicher Tag im Oktober. Draußen hat es frische fünf Grad Celsius, ein stürmischer Wind geht und Regen peitscht gegen die Fensterscheibe deines Zimmers. Wie gut, dass du hier im beheizten und warmen Büro sitzt und von dem ungemütlichen Wetter draußen nichts mitbekommst, denkst du dir. Du hast dir jedoch für heute fest vorgenommen: „Heute Abend nach Feierabend gehe ich dreißig Minuten laufen.“ Diesen Vorsatz hegst du bereits lange und heute willst du endlich Taten folgen lassen. Doch dein Arbeitstag verläuft, wie gewohnt, stressig und du hetzt von einem Meeting in das nächste. Und je näher der Feierabend rückt, umso unwohler fühlst du dich in deiner Haut. „Eigentlich habe ich gar keine Lust bei diesem Wetter joggen zu gehen.“

Kommt dir diese oder eine ähnliche Situation bekannt vor? Was machst du? Welche Optionen hast du?

Eine Möglichkeit, wie du deinen inneren Schweinehund überwinden kannst, stellen Rituale und Gewohnheiten dar. Du kannst dir ein Ritual wie einen unsichtbaren Faden vorstellen. Mit jedem Training, mit jeder Überwindung des inneren Schweinehundes stärkst du den Strang und fügst ihm ein weiteres Fädchen hinzu. Das Ganze wird mit der Zeit immer robuster und das Ritual damit gefestigt. Die Zauberworte zum Verlassen der Komfortzone heißen: Gewohnheiten bilden und Rituale schaffen. Was du drei Wochen lang jeden Tag ohne Unterbrechung machst, wird eine neue Gewohnheit. Das bedeutet: Du musst eine neue Tätigkeit jeden Tag ohne Pause drei Wochen lang durchziehen. Bis sie in deinem Kopf als Gewohnheit abgespeichert ist. So lange braucht dein Unterbewusstsein, um es als neue Gewohnheit zu akzeptieren. Einige Wissenschaftler haben die Dauer für das Aneignen einer neuen Gewohnheit mit 21 Tagen beziffert. Doch diese Zahl hängt stark davon ab, um welche Verhaltensänderung es dabei geht. Sich vor dem Essen die Hände zu waschen oder den Teller nach dem Essen in die Spüle zu stellen – an solche einfachen Tätigkeiten gewöhnen wir uns schnell. Andere Aktivitäten, wie regelmäßig Sport zu treiben, sind da schon aufwendiger. Das Erfolgsrezept: Das gewünschte Verhalten muss mit einem deutlichen Auslösereiz gekoppelt und dann durch Belohnung verstärkt werden. Was bedeutet das? Frühsportler können sich beispielsweise die Laufschuhe direkt neben das Bett stellen und sie gleich nach dem Aufstehen anziehen (Auslösereiz). Dies muss am Anfang ganz bewusst gemacht werden. Das Ziel ist, dass unser Gehirn das Aufstehen und Sehen der Laufschuhe mit dem Joggen verknüpft und wir daraufhin automatisch handeln. Das klappt allerdings nur, wenn es gelingt, ein Verlangen zu erzeugen, und dafür braucht es eine gute Belohnung. Der schwammige Vorsatz, irgendwann schlanker zu werden, reicht nicht. Der Lohn muss konkret und direkt sein, wie zum Beispiel ein schönes Frühstück oder ein heißes Bad.

Wenn du beispielsweise täglich drei Wochen lang um sechs Uhr in der Früh laufen gehst, dann kannst du in der vierten Woche auch mal einen Tag Pause machen. Das ist dann okay. Aber in den ersten drei Wochen gilt: keine Ausnahmen. Natürlich wird ein Tag kommen, an dem du innerlich zu dir sagst: „Oh, heute Morgen habe ich überhaupt keine Lust zu laufen. Es regnet, es schneit, es ist dunkel, ich bin hundemüde und habe zudem starke Kopfschmerzen.“ Genau in solch einem Moment denk bitte an den unsichtbaren Faden und die 21 Tage. Wenn du dir heute eine Ausnahme genehmigst, fangen morgen die 21 Tage wieder von vorne an. Dann entscheide dich doch lieber für das kleinere Übel, oder? Vor allem Belohnungen helfen zu Beginn einer neuen Aktivität, am Ball zu bleiben. Führ eine Liste, auf der du jedes Mal einen Haken setzt, wenn du Sport gemacht hast. Nach zehn Haken gibt es eine Belohnung, etwa eine Massage oder eine Süßigkeit. Oder gib dir Druck von außen, indem du dich mit anderen zum Sport verabredest. Wenn du weißt, dass morgen zwei Freunde zum Joggen auf dich warten, fällt es schwerer, die Laufrunde ausfallen zu lassen. Auch ein sogenannter Wenn-Dann-Plan hilft. Wie verhalte ich mich, wenn ich morgen früh wirklich krank bin? Was mache ich, wenn es morgen früh regnet? Wenn es morgen früh regnet, dann mache ich 30 Minuten Fitnessübungen in der Wohnung.

Dein Leben veränderst du, indem du neue Gewohnheiten entwickelst. Die Qualität deines Lebens hängt von der Qualität deiner Gewohnheiten ab. Der positive Effekt eines Rituals: Hat du es erst einmal entwickelt, wird es zur Selbstverständlichkeit und du musst nicht mehr daran denken. Du musst dich nicht mehr für oder gegen eine bestimmte Sache entscheiden und dich dazu überwinden. Dein Gehirn hat dir die Entscheidung bereits abgenommen und dieser zugestimmt. Du denkst also nicht mehr darüber nach, sondern machst es automatisch.

Auf dem Dach Afrikas

Gipfel

Nun bin ich bereits, während ich diese Zeilen hier schreibe, seit ein paar Tagen zuhause und habe mich wieder an den deutschen Alltag einigermaßen akklimatisiert. Die vergangenen zwei Wochen in Tansania waren unglaublich erlebnisreich und haben mich emotional sehr bewegt. Diese Reise nach Ostafrika war für mich etwas ganz Besonderes. Und das aus mehreren Gründen.

Zum einen ist da der Kilimanjaro gewesen, bekanntlich der höchste Punkt des afrikanischen Kontinents. Dieser Berg stellte den Hauptgrund für die Reise dar. Der Kilimanjaro übt für viele Menschen eine große Faszination aus. Alpinisten und Bergwanderer zählen ihn zu ihren Traumgipfeln, die UNESCO zum Weltnaturerbe. Jedes Jahr wollen schätzungsweise 45.000 bis 50.000 Menschen den Kilimanjaro besteigen. Mit seinen 5.895 Metern ist er sogar weltweit der höchste freistehende Berg. Bei so vielen Superlativen und den Massen an Bergwanderern war ich zunächst etwas skeptisch, ob diese Tour, zumal organisiert, zu meiner sonst üblichen Art des Reisens passte. Naturerlebnis und Genuß – das war primär meine Zielsetzung für die Reise zum Kilimanjaro. Ich suchte dieses Mal nicht die sportliche Grenzerfahrung. Keine Extreme. Keinen Leistungsanspruch. Und ganz ehrlich: Ich habe es in vollen Zügen genossen, in einem ganz entspannten Tempo durch die beeindruckende Kulisse des Regenwalds zu wandern. Ich habe es genossen, (fast) jeden Abend im Camp einfach nur dazusitzen und den majestätischen Sonnenuntergang zu bestaunen. Ich habe es genossen, mit dem Guide oder dem Servicepersonal unseres Teams über das Leben zu philosophieren und dabei köstlichen afrikanischen Kaffee zu trinken (war zwar Instant Kaffee, aber auf über 4.000 Metern schmeckt der wie de Luxe). Diese Momente haben mir unglaublich viel gegeben.

Doch was die Reise für mich vor allem besonders machte, war die Tatsache, dass ich sie zusammen mit meinem Vater und meinem Bruder durchführte. Vielleicht kennst du das: Es gibt Ziele im Leben, die du auf jeden Fall und um jeden Preis angehen willst. Wenn du es nicht tust, würdest du es am Ende deines Lebens ewig bereuen. Genau solch ein Ziel stellte für uns als Familie der Kilimanjaro dar. Es ging dabei weniger darum, dass wir alle unbedingt den Gipfel erreichen wollten, als vielmehr um das gemeinsame Erlebnis. Meine Mundwinkel gehen immer noch nach oben, wenn ich an den Gesichtsausdruck meines Vaters denke, als er zum ersten Mal in seinem Leben ein Banana Beer, ein traditionelles Getränk in Ostafrika, zu sich nahm. Oder wie wir drei dichtgedrängt in einem vollbesetzten Dalla-Dalla (Kleinbusse in Tansania, die im Personennahverkehr eingesetzt werden) nach Arusha fuhren und uns dabei wie die berühmten Sardinen in der Dose vorkamen. Oder wie mein Bruder, der zuvor einen Sprachkurs in Suaheli (weit verbreiteste Sprache in Tansania und Ostafrika) machte, mit seinem Wortschatz immer wieder ein Lächeln und Begeisterung bei den Menschen hervorrief. Als mein Vater, mein Bruder und ich am 18. Juli 2015 um 7:30 Uhr den Gipfel des Kilimanjaro erreichten, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Für uns als Familie, vor allem für meinen Vater, ging damit ein Lebenstraum in Erfüllung.

Zu guter Letzt möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass diese Reise für mich auch einen Erkundungstrip für meine große Expedition in 2017 darstellte. Deshalb ging es für mich auch darum, einen ersten Eindruck von Tansania zu bekommen, ein Gespür für Land und Leute zu gewinnen und die Infrastruktur am Kilimandscharo kennenzulernen. Denn in 2017 will ich vom tiefsten Punkt Afrikas, dem Assalsee in Dschibuti zum höchsten, dem Gipfel des Kilimandscharo in Tansania laufen und dabei knapp 2.500 Kilometer durch vier Länder zurücklegen. An dieses Projekt denke ich jeden Tag und ich würde am liebsten heute schon loslaufen.

Afrika. Ruanda. Ich bin bereit.

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Der Countdown läuft. In 48 Stunden bin ich bereits unterwegs zum Flughafen nach Stuttgart. Um 11:40 Uhr geht mein Flieger über Istanbul nach Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Ich bin sehr gespannt auf dieses Land. Mein Kumpel und Fotograf Christian reist bereits seit 17 Tagen durch Ruanda und Uganda und kommt aus dem Schwärmen kann nicht mehr heraus. Seine grandiosen Bilder und vielfältigen Eindrücke rufen immer wieder aufs Neue eine Gänsehaut bei mir hervor:

http://frumoltblog.com/2015/02/07/leerlauf-pause-abwarten/

In Ruanda werde ich nicht allzu viel laufen. Ganz ehrlich nicht. Mein Fokus richtet sich dieses Mal ausschließlich auf Land und Leute. Also, ein reiner Urlaub? Hhmm, auch nicht. Denn in meinem Kopf taucht immer wieder das Bild meiner nächsten großen Laufexpedition auf. Diese wird im Jahr 2017 stattfinden. Doch es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an dieses Vorhaben denke. Ostafrika wird dabei die entscheidende Rolle spielen.

Mittendrin in Afrika

Was ist Dein nächstes sportliches Ziel? Diese Frage bekam ich in den letzten Tagen und Wochen immer wieder gestellt. Nachdem ich abenteuer- und expeditionstechnisch in den letzten Jahren überwiegend in Asien und Südamerika unterwegs war, habe ich mir für die nächsten drei Jahre „Afrika“ auf meine Zieleliste geschrieben. Ein großes Abenteuer führe ich dort in 2017 durch. Daran arbeite ich heute schon mit Hochdruck. Schon vorab sei gesagt: Dies wird mein mit Abstand längster Lauf werden und mich durch mehrere Länder Afrikas führen.

Eine erste Reise auf den schwarzen Kontinent führt mich, schon im Februar 2015, nach Ruanda. Zusammen mit meinem Fotografen Christian Frumolt, der mich bereits bei mehreren meiner Abenteuer begleitete, werde ich zehn Tage lang durch das beeindruckende Land in Ostafrika reisen. Ohne großes Laufprojekt, ohne extreme Dinge. Einfach „nur“ die Menschen, das Land und die Kultur kennen lernen. Christian ist schon eine Woche in Ruanda und schwärmt von diesem Land. Die letzten Tage hatte er im Akagera Nationalpark im Osten des Landes, nahe der Grenze zu Tansania verbracht. Dort kam er in den Genuss, Zebras, Elefanten, Impalas, Büffel, Flusspferde und Paviane beobachten zu dürfen. Bildmaterial von Christian findet ihr übrigens unter

http://frumoltblog.com/2015/01/28/afrika-ruanda-ich-bin-bereit/

Warum gerade Ruanda? Viele Menschen denken bei Ruanda an den Völkermord von 1994, bei welchem bis zu einer Million Menschen mit zum Teil unglaublicher Grausamkeit ihr Leben verloren. Doch Ruanda hat sich in den letzten 20 Jahren unglaublich gewandelt. Es zählt heute zu den sichersten Ländern Afrikas. Die Wirtschaft hat ein gesundes Wachstum, und die Bevölkerung sieht sich heute als eine Nation.

Besonders gespannt bin ich auf die einzigartigen Berg-, Wald- und Seenlandschaften Ruandas. Ob Volcanoes Nationalpark im Nordwesten des Landes, der vornehmlich dem Schutz der Berggorillas dient oder der in einer reizvollen Landschaft umgebenen Hauptstadt Kigali oder die tierreiche Savannenlandschaft des Akagera Nationalpark, interessante Reiseziele gibt es zu genüge.

Besiegst Du Deinen inneren Schweinehund oder besiegt er Dich? 5 Motivationstipps für Läufer

Das neue Jahr ist schon wieder drei Wochen alt. Bist Du bereits wieder voll im Training? Sprühst Du regelrecht vor sportlichem Tatendrang? Oder fällt es Dir schwer, Dich zum Laufen zu motivieren? Wenn letzteres auf Dich zutrifft, dann sind die folgenden Tipps genau richtig für dich.

 

1 Bestimme, was für DICH sportlicher Erfolg bedeutet

Jeder Läufer möchte sportlich erfolgreich sein. Doch was bedeutet Erfolg? Wie lautet Deine persönliche Definition von Erfolg? Einen 10 Kilometer Volkslauf unter 45 Minuten zu finishen? Oder Deinen ersten Halbmarathon zu laufen? Oder einfach nur fit zu bleiben? Von den Medien wird leider häufig suggeriert, dass es beim Erfolg nur darum geht, der Beste zu sein, die Nummer eins zu werden, zu gewinnen. Sicher ist es bewundernswert, wenn ein Läufer es schafft, ein Rennen zu gewinnen, Rekorde aufzustellen oder der Beste in seiner Disziplin zu sein. Meine Hochachtung vor solchen Leistungen. Doch für wie viele Menschen spielt es wirklich eine Rolle, zur absoluten Spitze in ihrem Bereich zu zählen? Es geht nicht darum, in einem Bereich der Beste, der Schnellste, die Nummer 1 zu sein. Ausschlaggebend ist, das Beste aus sich herauszuholen. Der Beste zu werden, der Du werden kannst. Erfolg ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Jeder definiert Erfolg anders. Nur Du entscheidet, was Erfolg bedeutet. Wie lautet deine eigene Definition von Erfolg?

 

2 Mache Dir bewusst, was Du genau erreichen willst

Weißt Du genau, was Du in diesem Jahr sportlich machen willst? Hast Du Wünsche, Träume, Vorsätze? Oder klare, messbare und konkrete Ziele? Mit Vorsätzen und Wünschen allein kommst Du nicht weiter. Sie führen nicht zu einem langfristigen, aktiven Handeln. Deshalb ist es entscheidend, einen Traum zu konkretisieren. Also mach einen abstrakten Vorsatz zu einem konkreten Ziel. Das kann zum Beispiel folgendermaßen aussehen:

Vorsatz: Ich würde gerne mehr Laufen gehen.

Ziel: Ich gehe jeden Montag und jeden Donnerstagabend dreißig Minuten laufen.

Ohne ein Ziel verlieren wir uns ganz schnell in der Hektik des Alltags. Ohne ein konkretes Ziel vor Augen können wir uns nur schwer motivieren zu handeln. Ein klares Ziel motiviert Dich und hilft dir, auch in schwierigen Situationen weiter am Ball zu bleiben. Die Basis für jeden läuferischen Erfolg, ob als Freizeit- oder Profiläufer sind Ziele. Sie geben die Richtung vor, in die wir uns bewegen. In welche Richtung bewegst Du Dich? Absolute Klarheit über das, was Du willst, ist der Ausgangspunkt jeder großartigen Leistung. Mache Dir bewusst, was Du genau in 2015 angehen willst. Und schreibe Dir deine Ziele schwarz auf weiß auf.

 

3 Erkenne Dein Warum

Ein eigenes, konkretes und messbares sportliches Ziel zu haben ist enorm wichtig. Doch es muss noch etwas Weiteres hinzukommen, um langfristig Motivation zu verspüren: das dazugehörige Motiv. Die Frage: Warum willst Du dieses Ziel erreichen? Warum willst Du laufen gehen? Warum trainierst Du speziell für genau diesen Marathon? Um was geht es Dir dabei genau? Denn wenn Du Dein WARUM kennst, erträgst Du auch jedes WIE. Jedes Motiv ist immer stärker als das Ziel. Von Deinen Motiven gehen unerschöpfliche Kräfte aus. Warum ist das so? Motive sind dem emotionalen und unbewussten Bereich zuzuordnen. Sie sprechen durch das Bauchgefühl zu uns. Ziele hingegen sind eher rationaler Art und viel leichter in Worte zu fassen. Wir setzen uns Ziele bewusst. Sie spielen sich im Kopf ab. Das Problem ist: Viele Menschen sind absolute Zielsetzungsweltmeister. Ständig stecken sie sich hohe Ziele und tun alles, um diese zu erreichen. Die persönliche Zielsetzungsleiter wird so schnell wie möglich erklommen. Am Ende kommen sie ganz oben an und stellen eines fest: Die Leiter lehnt an der falschen Hauswand. Motive und Ziele stimmen nicht überein. Viele Menschen vergessen, sich die entscheidende Frage zu stellen. Die Frage des WARUM und WOFÜR. Die Frage nach unserem Ziel, nach dem WOHIN, hilft allein nicht weiter, sondern macht nur in Kombination mit dem WARUM und WOFÜR Sinn. Wenn wir ein Ziel und ein Motiv haben, und beides übereinstimmt, dann sind wir langfristig motiviert.

 

4 Fange leicht an und steigere Dich langsam

Wenn Du beispielsweise einen Citymarathon laufen willst und noch über keinerlei Lauferfahrung verfügst, dann fange doch erstmal mit einem 5 Kilometer Volkslauf an. Dann stehen vielleicht als nächstes die 10 Kilometer auf Deiner Zieleliste. Als nächsten Schritt die 15, dann einen Halbmarathon. Die aufgeführten Distanzen musst Du übrigens keineswegs in einem Wettkampf laufen, sondern kannst Du auch nur für Dich im Training zurücklegen.

Nicht von 0 auf 42 in kürzester Zeit. Davon halte ich überhaupt nichts. Jede Laufdisziplin, ob 10 Kilometer, Halbmarathon, Marathon oder gar Ultramarathon benötigt eine systematische und langfristige Vorbereitung. Nehme Dir die Zeit, fange klein an (du kannst trotzdem groß denken) und steigere Dich langsam. Erhöhe das wöchentliche Trainingspensum minimal. Meine Empfehlung: von Woche zu Woche nicht mehr wie 10-20 Prozent.

 

5 Genehmige Dir keine Ausnahmen

Genehmige Dir keinerlei Ausnahmen. Das klingt zunächst hart, ist jedoch sehr wirksam. Wenn Du beispielsweise morgen Abend keine Lust hast, Dein geplantes Training zu absolvieren, dann fange wenigstens mal an und laufe ganz kurz. Wenn es sein muss, nur ein einziges Mal um den Häuserblock. So tun als ob. Zum einen wird dadurch Dein Gewissen beruhigt, nach dem Motto „Ich habe ja etwas getan“. Doch vor allem wird, auch durch diesen zugegebenermaßen unterschwelligen Reiz, die Gewohnheit aufrechterhalten. Du kannst Dir eine Gewohnheit wie einen unsichtbaren Faden vorstellen. Mit jedem Training, mit jeder Überwindung des inneren Schweinehundes stärkst Du den Strang und fügst ihm ein weiteres Fädchen hinzu. Das Ganze wird mit der Zeit immer robuster und die Gewohnheit damit gefestigt. Was Du drei Wochen lang jeden Tag ohne Unterbrechung machst, wird eine neue Gewohnheit. Das bedeutet: Du musst eine neue Tätigkeit jeden Tag ohne Pause drei Wochen lang durchziehen. Bis sie in deinem Kopf als Gewohnheit abgespeichert ist. So lange braucht Dein Unterbewusstsein, um es als neue Gewohnheit zu akzeptieren. Wenn Du beispielsweise täglich drei Wochen lang um sechs Uhr in der Früh laufen gehst, dann kannst Du in der vierten Woche auch mal einen Tag Pause machen. Das ist dann okay. Aber in den ersten drei Wochen gilt: keine Ausnahmen.

 

PS: Wenn Du regelmäßig solche Impulse und Denkanstöße haben willst, dann empfehle ich Dir meinen neuen Newsletter. Zu abonnieren unter:

http://www.norman-buecher.de/newsletter.html

 

Interview mit Frank Busemann

Vier starke Redner, vier spannende Vorträge. Und ein Olympiasieger, der durch den Abend führt. Das sind die Zutaten der 1. Runners’ Night, die am 27. Februar 2015 in Köln stattfindet. In meiner neuen Blog-Serie stelle ich Euch jeden der Referenten (und den Moderator) im Rahmen eines Interviews kurz vor. Heute ist Frank Busemann, Sportler des Jahres und Olympiasilbermedaillengewinner, an der Reihe.

 

Hallo Frank, danke, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wie geht es Dir? Bist Du heute schon gelaufen?
Hallo, mir geht es sehr gut, vielen Dank. Ich bin heute noch nicht gelaufen, hatte meinen Schwerpunkt in den letzten Wochen auch nicht so sehr im Ausdauerbereich, sondern habe mehr Kräftigung und Schnellkraft gemacht. Mit einem Freund habe ich gerade eine Tempolaufeinheit (500m/400m/300m) gemacht – also bin ich doch irgendwie gelaufen…

 

Du hast in Deiner sportlichen Karriere sehr vieles erreicht: olympische Silbermedaille, Sportler des Jahres, U23-Europameister…Was hat Dich immer wieder motiviert, Dein Bestes zu geben?
Es war die Gewissheit, dass Potenzial und Talent zeitlich begrenzt ist und ich nur in einem engen Fenster das zeigen kann, was ich glaubte zu können. Chancen sind da und müssen genutzt werden, denn sie kommen nie wieder.

 

Du bist als TV-Experte aktiv, hältst Vorträge und hast bereits mehrere Bücher geschrieben. Dein aktuelles Werk trägt den Titel „Steh auf, wenn Du am Boden liegst“. Worum geht es darin genau? Inwieweit hat dabei Dein eigener Werdegang eine Rolle gespielt?
Mein eigener Werdegang ist der rote Faden. Der Zehnkampf als Grundlage für Erfolgsprinzipien im Alltag. Erfahrungen, Siege, Niederlagen, Fehler, Weisheiten werden in unterhaltsamen Rahmen aufgezeigt und allgemeingültig beleuchtet.

 

Am 27. Februar 2015 bist Du als Referent der 1. Runners’ Night in Köln dabei. Was können die Zuschauer von Deinem Vortrag „Aufgeben gilt nicht“ erwarten?
Sie werden einen Einblick in den Hochleistungssport mit all seinen Höhen und Tiefen bekommen, werden lachen, sich wundern, sich an den Kopf fassen und sich hoffentlich in ihrem Tun wieder erkennen.

 

Abschließend: Welche 3 Motivationstipps würdest Du einem Läufer mit auf den Weg geben?

  1. Mach dir klar, weshalb du läufst.
  2. Habe ein klar definiertes Ziel.
  3. Handle so, dass du es auch in zehn Jahren noch verantworten kannst.

 

Lieber Frank, ich danke Dir für Deine Zeit und das Gespräch.

Schönes neues Jahr

Die Zeit rast. 2015 ist bereits sieben Tage alt.Ein aufregendes und spannendes Jahr liegt hinter mir. Viele Herausforderungen wie beispielsweise mein Sololauf durch die Wüste Gobi (“Expedition Gobi”), die Expedition durch Feuerland (“FIRE & ICE”) oder mein neues Buch “Abenteuer Motivation” haben das Jahr 2014 so abwechslungsreich und interessant für mich gemacht.

Auch im neuen Jahr stehen einige spannende Herausforderungen an. Sportlich bereite ich mich auf ein “Mammut-Projekt” vor. Es wird mein längster Lauf werden. Dieses Abenteuer wird mich durch mehrere Länder führen. Geografisch gesehen betrete ich für mich absolutes Neuland. Ich habe jetzt schon unzählige Stunden an Zeit und Energie in dieses Vorhaben investiert. In ein paar Wochen erfährst Du mehr darüber.

Ich wünsche Dir ein wundervolles, gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2015.

Macht Laufen beruflich erfolgreich?

Vier starke Redner, vier spannende Vorträge. Und ein Olympiasieger, der durch den Abend führt. Das sind die Zutaten der 1. Runners’ Night, die am 27. Februar 2015 in Köln stattfindet. In meiner neuen Blog-Serie stelle ich Euch jeden der Referenten (und den Moderator) im Rahmen eines Interviews kurz vor. Heute möchte ich Euch den Initiator und Organisator der Runners’ Night vorstellen: Andreas Butz, Lauftrainer, Bestsellerautor und einer der anerkanntesten Laufexperten Deutschlands.

 

Hallo Andreas, danke, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wie geht es Dir? Bist Du heute schon gelaufen?
Na klar Norman, bin ich schon gelaufen. Außer montags laufe ich aktuell jeden Morgen, meist noch vor dem Frühstück.

 

Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Motivationsevent für Läufer auf die Beine zu stellen? Was war der entscheidende Impuls dafür?
Es gibt so viele Noch-Nicht-Sportler, die das gerne ändern wollen und denen nur ein kleiner Kick fehlt, um endlich mit dem Laufen zu beginnen. Welcher Kick das sein muss, um den inneren Schweinehund zu bezwingen, ist natürlich sehr unterschiedlich. Daher kam mir die Idee in einem Event fünf spannende Motivatoren aus der Laufszene zu bitten, inspirierende Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen, aus denen sich jeder Zuhörer etwas für sein eigenes Tun rausziehen kann.

 

Du bist auch selbst läuferisch nach wie vor sehr aktiv, hast bereits an über 100 Marathons teilgenommen. Was motiviert Dich persönlich, 42 und mehr Kilometer unter die Beine zu nehmen?
Bewegung an der frischen Luft ist für mich ebenso existentiell wie Essen oder Trinken. Dabei habe ich mich vom leistungsorientierten Läufer zum Erlebnissammler gewandelt. Jeder Marathon, egal in welchem Land und mit welchem Profil, bietet mir immer wieder neue Chancen unvergessliche Erlebnisse zu sammeln. Daher ist auch nach aktuell 120 Marathons noch lange nicht Schluss mit der Marathonsammelei.

 

Am 27. Februar 2015 bist Du auch als Referent der 1. Runners’ Night in Köln dabei. Was können die Zuschauer von Deinem Vortrag „Schwitzen für Erfolg“ erwarten?
Als Ex-Top-Manager und heute Trainer vieler Manager und Unternehmer finde ich die Verbindung von Laufen und Leistungsfähigkeit so spannend. Warum gibt es im Unternehmen umso mehr Marathonläufer, je weiter ich in der Hierarchie nach oben schaue? Macht Laufen beruflich erfolgreich oder laufen erfolgreiche Menschen einfach mehr? Es gibt sehr spannende Zusammenhänge zwischen Sport und Karriere und darüber werde ich berichten und hoffentlich den einen oder anderen dazu motivieren in Laufschuhen Karriere zu machen. Wer nicht bis zu meinem Vortrag warten möchte, findet in meinem neuen E-Book „Schwitzen für Erfolg“ schon viele inspirierende Gedanken.

 

Abschließend: Welche 3 Motivationstipps würdest Du, als Lauf- und Motivationsexperte, einem Läufer mit auf den Weg geben?
Ich möchte die drei Tipps auf eine Fragestellung konzentrieren: Wie oft hast du dich nach dem Laufen besser gefühlt als vorher?

 

Lieber Andreas, ich danke Dir für Deine Zeit und das Gespräch.

Vortragsmarathon

Die letzten Tage und Wochen hatten es in sich. Ich war wieder viel unterwegs im Auto, Flieger und Zug durch Deutschland und Europa. Kein neues Laufabenteuer, nein. Viele Vorträge standen auf dem Programm. Ob Motivationsvortrag im Unternehmen, öffentliche Multivisionsshow oder Impulsvortrag an Hochschulen – es wurde nicht langweilig ;-)

Es ist für mich ein großes Privileg, meine Erfahrungen weitergeben zu dürfen. Das wird mir bei jedem Vortrag immer wieder auf das Neue bewusst.

Auch wenn die meisten Vorträge firmenintern sind, habe ich doch immer wieder einen öffentlichen. Der nächste ist am 5. Dezember 2014 bei Globetrotter in Dresden.

BGV

430 Meilen durch Schnee und Eis

Jörn Theissig, ein guter Lauffreund von mir, bereitet sich zurzeit auf eine extreme sportliche Herausforderung vor: dem Yukon Arctic Ultra. Einem Lauf, vor dem ich sehr viel Respekt habe. Denn: Der Yukon Arctic Ultra gilt als der härteste und kälteste Lauf der Welt. Anfang Februar 2015 wird Jörn bei bis zu minus 50 Grad unglaubliche 430 Meilen unter seine Füße nehmen. Ich hatte die Möglichkeit, mit Jörn sprechen zu dürfen.

 

Hallo Jörn, danke, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Der Yukon Arctic Ultra ist ein extrem anspruchsvoller Lauf. Wie bist Du überhaupt auf die Idee gekommen, dort starten zu wollen?

In meiner Freizeit komme ich gerne zwei großen Leidenschaften nach: die Natur unter Eis und Schnee zu erleben und dem Ausdauersport. Diese Kombination finde ich beim Yukon Arctic Ultra, der mich 2015 über 430 Meilen von Whitehorse nach Dawson City führen wird. Zudem werde ich bei diesem Lauf – ob ich möchte oder nicht – körperlich und mental an meine Grenzen kommen. Auch darin liegt für mich der Reiz zu erfahren: wie weit kann ich gehen? Wo genau liegen diese Grenzen? Und werde ich dazu in der Lange sein, diese Grenzen durch mentale Suggestion überwinden zu können?

 

Du bist nicht das erste Mal im Yukon und bei diesem Lauf. Wie lief es bei Deiner ersten Teilnahme? Was hast Du dabei gelernt?

Beim ersten Lauf bin ich im Team und mit Langlaufskiern gestartet. Die eigenen Erfahrungen aber auch die statistischen Werte des YAU haben mir gezeigt, dass auf diesem Lauf insbesondere diejenigen finishen, die alleine starten und die Disziplin Lauf statt Langlauf wählen. Die Temperaturen waren im Jahr 2013 nicht für Skilangläufer geeignet. Es war schlichtweg zu warm, der Schnee zu sulzig, sodass wir kaum Halt unter den Skiern hatten, insgesamt zu langsam unterwegs waren und am zweiten Zeitcheckpoint leider das Zeitlimit gerissen haben. Ich habe zudem gelernt, dass bei so einem extremen Lauf ein Scheitern mit eingeplant werden muss. Retrograd betrachtet liegt für mich darin auch eine besondere Motivation: die Rechnung mit dem Yukon ist offen, die ich versuchen werde 2015 zu begleichen. Zudem habe ich mein Mentaltraining ausgebaut, dem bei diesem Lauf eine wichtige Bedeutung zukommt.

Letztendlich habe ich aber auch gelernt, dass die Teilnehmer des YAU eine sehr harmonische Gruppe bilden. Sie alle sind vom arktischen Virus infiziert bzw. vom arktischen Käfer gebissen worden und alle Teilnehmer leben den legendären Spirit des YAU während des Rennens vor: wenn es notwendig ist, helfen sie sich gegenseitig. Aus meiner ersten Teilnahme sind Freundschaften entstanden. Viele werden nächstes Jahr wieder teilnehmen und ich freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen.

 

Am Ende des Jahres machen viele Läufer sportlich weniger. Du hingegen befindest Dich in der heißen Phase der Vorbereitung. Wie sieht Dein Training aus? Hast Du Dein Training gegenüber Deiner ersten Teilnahme verändert?

Erste Priorität für mich ist, dass die Teilnahme am YAU und das hierzu notwendige Training Spaß machen sollen. Im Vergleich zum letzten Mal habe ich mehr Vielfalt in meinen Trainingsplan gebracht und damit abwechslungsreicher und spannender gestaltet. Neben wöchentlichen 20-30 km langen Trainingseinheiten, bei denen ich zwei alte Autoreifen mit Eisenketten an meiner Hüfte fixiert durch den Wald schleppe, um den Widerstand der Pulka zu simulieren, mache ich nun auch mit dem Mountainbike ausgedehnte Touren zwischen 150-180 Kilometern, habe die Alpen überquert und etwas Trailrunning betrieben. Vorletztes Wochenende bin ich mit der Pulka im Schlepp (allerdings auf Rollen) 150 km von Frankfurt nach Wertheim Village auf dem Mainradweg gelaufen, um dort einen großzügigen Scheck für mein Projekt abzuholen. Training in Kombination mit Spendensammeln: zwei Fliegen mit einer Klappe! Zudem habe ich mich über 8 Stunden bei minus 26 Grad Celsius in einem Froster eines Lebensmittelgroßhandels einschließen lassen, um meine Ausrüstung zu testen. Zwei Stunden habe ich das Licht ausschalten lassen, um bestimmte Handgriffe im Dunkeln erproben zu können, da ich im Yukon täglich auch bis zu 8 Stunden in absoluter Finsternis unterwegs sein werde.

Zudem betreibe ich mit einem Lehrer einmal die Woche auf meine speziellen Bedürfnisse ausgerichtete chinesische bzw. koreanische Mentalübungen, um für die Herausforderungen im Yukon gerüstet zu sein. Hierbei lerne ich vor allem, wie ich mein Unterbewusstsein programmieren kann, um die mit an Sicherheit auftretenden Körpersignale wie Schmerzen, Müdigkeit oder Kälte überwinden kann, sodass der Geist über gewisse Zeit den Körper dirigiert und der Körper nicht den Geist. Das geht natürlich nur dann, wenn mein Körper mit signalisiert, dass er nicht mehr will. Wenn er mir zeigt, dass er nicht mehr kann, sollte ich mir schleunigst ein paar Stunden erholsamen Schlaf unter einer Tanne gönnen.

 

Was ist aus Deiner Sicht die größte Herausforderung bei diesem Lauf?

Die größte Herausforderung für mich liegt darin, mit dem Spannungsfeld zwischen der enormen körperlichen Anstrengung, der permanenten Konfrontation mit der extremen Kälte und der steigenden Müdigkeit den richtigen Umgang zu finden. Der Lauf ist nicht lebensgefährlich, er kann aber lebensgefährlich werden, wenn ich die Spielregeln der Natur nicht akzeptiere und respektiere, da 13 Tage Aufenthalt in einer menschenunnatürlichen Umgebung mit eigenen harten Spielregeln mir eine ständige Konzentration auf das Hier und Jetzt abverlangen werden. Bei 13 Tagen in der Wildnis Kanadas im Nonstopp-Rennmodus und Selbstversorgung bei Temperaturen von bis zu minus 50 Grad Celsius, einem Laufpensum von 14-16 Stunden bzw. 60-65 Kilometern am Tag ist es wichtig, dass ich vor dem Lauf insbesondere mit der Kälte meinen Frieden geschlossen haben werde. Ich weiß, dass ich frieren werde und ich muss mich sowohl körperlich, geistig und logistisch darauf vorbereiten, um mit den Elementen vor Ort richtig umgehen zu können.

 

Beim Yukon Arctic Ultra ist jeder Läufer Selbstversorger. Das gesamte Equipment wird mit einer Pulka gezogen. Erlaube mir die Frage: Was passiert, wenn Deine Vorräte zur Neige gehen und Du nicht rechtzeitig am nächsten Checkpoint ankommst? Machst Du Dir auch über ein Worst-Case-Szenario  im Vorfeld Gedanken?

Das Regelwerk sieht vor, dass ich Notfallration für mindestens zwei Tage bei mir führen muss. In der Vorbereitung spiele ich sämtliche Worst-Case-Szenarien immer und immer wieder durch, damit sie – so hoffe ich – im Ernstfall checklistenartig von alleine ablaufen. So spiele ich beispielsweise das Szenario für den Fall durch, falls ich mal im Eis einbrechen sollte. Hierzu habe ich einen extra Notfallsack auf meiner Pulka vorgesehen, in dem ich die richtigen neuen trockenen Kleidungsstücke in der richtigen Reihenfolge zum Anziehen vorfinde, ohne dass ich suchen muss.

Zudem muss ich dazu in der Lage sein, mein Zelt in absoluter Dunkelheit sowie innerhalb kürzester Zeit aufbauen zu können. Handgriffe, die in unseren Regionen einfach und belanglos erscheinen, gilt es in der extremen Kälte mit dicken Handschuhen durchführen zu können. Das kann schon zu einer echten Herausforderung werden.

Ich mache mir aber auch Gedanken darüber, was für Materialbrüche durch die extreme Kälte wo und an welchen Stellen meiner Ausrüstung auftreten könnten. Habe ich geeignetes Reparaturwerkzeug bzw. Alternativmaterialien dabei? Was kann ich machen, wenn meine Benzinpumpe versagt, ich aber dennoch Schnee schmelzen muss, um Trinkwasser zu genieren? Diese wichtigen Abläufe und Fragen spiele ich beispielsweise kurz vorm Einschlafen durch, damit die Lösungen bei mir in Fleisch und Blut übergehen.

 

Ganz alleine über gut zwei Wochen in der Kälte des Yukon. Was ist Dein Antrieb? Wie motivierst Du Dich weiterzumachen, wenn es Dir mal nicht so gut geht?

Auch wenn ich einige Male in Kanada fluchen werde, warum ich mir das Ganze überhaupt antue, weiß ich, dass ich reichlich beschenkt von der längsten Wanderung meines Lebens wiederkehren werde. Ich werde sehr intensive Augenblicke erleben dürfen. Die eisige Kälte, die glasklare Luft und die fantastische Landschaft haben für mich etwas Meditatives. Es stärkt meinen Geist und meine Seele. Die Macht der Natur wird mir verdeutlichen, was für eine untergeordnete Rolle der Mensch bzw. ich in Wirklichkeit spiele. Dankbarkeit und die Konzentration auf das Wesentliche im Leben werden mir danach im Alltag und im Beruf weiterhelfen.

Wenn es mir nicht so gut gehen sollte, denke ich insbesondere an die Worte eines meiner Vorbilder, dem norwegischen Polarpionier Borge Ousland. Er bringt es für mich auf dem Punkt, indem er sich in schwierigen Situationen Folgendes sagt: „Da musst Du jetzt durch, durch viel Schwereres und Hartes und zwar jeden Tag. Konzentriere dich auf das Hier und Jetzt und vergiss die großen Ziele, die Lorbeeren und freue Dich. Wie viele Menschen dürfen denn das erleben, was du gerade erlebst? Diese Wochen wirst du nie vergessen, du Glückspilz!“ Dem ist meines Erachtens nichts hinzuzufügen.

 

Du läufst beim Yukon Arctic Ultra nicht nur für Dich, sondern möchtest auch anderen Menschen helfen. Um was geht es dabei genau?

Ich möchte meinem Extremsport einen Sinn geben, indem ich den gemeinnützigen Verein Projekt Schmetterling e.V. unterstütze, der die Kosten für die psychoonkologische Betreuung von Krebspatienten und deren Angehörigen finanziert, da dieses die Krankenkassen aufgrund einer bestehenden Lücke in unserem Gesundheitssystem nicht machen. Ich denke, dass die psychischen Voraussetzungen für die Teilnahme am YAU und die eines Krebspatienten teilweise gleich sind. Beide brauchen Durchhaltevermögen, einen starken Willen und müssen damit rechnen, dass sich die Rahmenbedingungen ständig ändern können. Die Krebspatienten und deren Angehörigen müssen ihr Schicksal annehmen, ich mache es freiwillig. Aktuelle Studien –auch der deutschen Krebshilfe – belegen, dass die Psychoonkologie, die sogenannte sprechende Medizin – neben der Gerätemedizin sich inzwischen zu einer nicht mehr wegdenkbaren Disziplin im Gesundungsprozess eines Krebspatienten entwickelt hat. Aus diesem Grund bitte ich jeden Sportbegeisterten und Unterstützer, für meinen www.yukon-arctic- spendenlauf-2015.de  – den ich für die Krebspatienten unter das Motto „Lauf hin zum Leben“ gestellt habe – für 100 Euro eine frei zu wählenden Meilenpatenschaft zu übernehmen. Jeder Cent geht direkt auf das Spendenkonto des Vereins. Die Kosten für Logistik , Startgebühren für den Lauf etc. finanziere ich aus eigener Tasche. Jeder Spender erhält ein hochwertiges Meilenzertifikat, bekommt eine Spendenbescheinigung und wird in Echtzeit darüber informiert, wenn ich seine Wunschmeile (zwischen 1 und 430) erlaufen habe. Aber auch kleinere Spenden sind herzlich gerne auf dem Spendenkonto gesehen. Ich freue mich über jeden Cent, der von Herzen kommt und den Hilfsbedürftigen unmittelbar zu Gute kommt. Jeder gespendete Betrag ist für mich eine zusätzliche Motivation, die ich beim YAU definitiv gebrauchen werde. Bitte unterstütze auch Du mein Projekt. Nähere Informationen zum Lauf und zu den Spendenmöglichkeiten finden sich auf meiner oben genannten Webseite.

Noch knapp 80 Tage sind es bis zum Start. Wie fühlst Du Dich im Augenblick?

Ich fühle mich bislang bestens vorbereitet, bin voller Vorfreude und neugierig darauf, welche Herausforderungen Mutter Natur dieses Mal für mich bereit halten wird!

 

Vielen herzlichen Dank für Deine Zeit und das Gespräch. Ich wünsche Dir weiterhin eine gute Vorbereitung und viel Erfolg beim Lauf!

PS: Für einen persönlichen Kontakt und für Anfragen steht Jörn Theissig gerne unter yukon-arctic-spendenlauf@gmx.de  zur Verfügung.

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