Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.

(Sigmund Freud, 1856–1939)

 

Frenetischer Applaus. Die Menge tobt. Die 100 Zuhörer im Saal klatschen und sind begeistert. Mein Vortrag fand sichtlich Anklang. Im Anschluss viele interessierte Fragen – ein gutes Zeichen. Zahlreiche signierte Bücher – ein toller Abend. Während ich eifrig Bücher signierte, kann ich aus meinen Augenwinkeln eine Frau beobachten, die in der Ecke des Raums voller Ungeduld wartet. Auf mich wartet. Um die vierzig, rotes Haar, gepflegtes Äußeres, dunkles Businesskostüm. Mit verschränkten Armen und grimmigem Gesicht starrt sie genervt auf mich. Sie fixiert mich. Ihr Blick verrät nichts Gutes.

Und kaum hat der letzte Besucher meinen Büchertisch verlassen, kommt sie zügigen Schrittes auf mich zu und sagt mir, ohne irgendeine Höflichkeitsfloskel, direkt ins Gesicht: „Also, Herr Bücher, was Sie da über Grenzen und Ziele erzählt haben, ist absoluter Schwachsinn. Ihr ganzer Vortrag war eine absolute Katastrophe. Eine Zumutung!“ Dabei wird ihr Gesicht immer röter und ihr Hals immer dicker. Ein wenig perplex lasse ich das Gesagte erstmal sacken, und gebe ihr dann kurz und trocken zurück: „Vielen Dank für Ihr ehrliches Feedback. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.“ Und drehe mich um.

Was mich im Laufe meiner Tätigkeit als Redner gelernt habe ist Folgendes: In jedem Vortrag findest du drei Gruppen von Menschen. Zum einen jene, die von dir und deinem Vortrag begeistert sind. Zum zweiten Menschen, die sich neutral verhalten. Und zum dritten Zuhörer, die spotten, lästern und alles kritisieren, was du gesagt hast. Zu Beginn meiner Rednerkarriere wollte ich erreichen, dass alle begeistert sind. Aber das geht nicht. Und manche Menschen haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, immer kritisch und negativ zu sein.

Heute konzentriere ich mich nur noch auf die Gruppe, die meiner Botschaft und Inhalte positiv gegenübersteht. Seither geht es mir viel besser.

Das lässt sich auf andere Lebensbereiche übertragen. Es gibt immer drei Gruppen. Eine Gruppe nimmt dich, deine Idee oder Projekt an. Die zweite Gruppe kann sich nicht entschließen und tut schließlich gar nichts. Und die dritte Gruppe wird dich ablehnen. Ganz gleich, was du tust, du wirst immer diese drei Gruppen finden. Das liegt nicht an dir, sondern einfach in der Natur des Menschen. Die spannende Frage ist: Wie gehst du damit um? Wie gehst du mit Ablehnung und Kritik um? Wie reagierst du darauf? Wir dürfen einerseits Kritik gegenüber nicht blind werden und müssen offen genug sein zu erkennen, wenn einfach etwas nicht funktioniert. Andererseits dürfen wir nicht vergessen, dass es immer Fehlschläge gibt und Kritik unvermeidlich ist. Es gibt nur eine Methode, Kritik komplett zu vermeiden: Sei nichts und tu nichts. Dann kommst du ohne Kritik davon. Sobald du aber etwas tust, erntest du Kritik. Sei dir dessen bewusst!

Es gibt zwei Punkte, die wir im Leben niemals miteinander vereinbaren können. Persönlichen Erfolg zu haben und es jedem recht machen zu wollen. Das ist unmöglich. Es gibt Menschen, die wollen es jedem recht machen und von jedem geliebt werden. Sie passen sich lieber der Gesellschaft und den vorherrschenden Normen an, als ihren eigenen Weg zu gehen. Damit werden sie keinen Erfolg haben. Nichts auf dieser Welt wird allen Menschen gefallen. Es wird immer Menschen geben, die nicht mögen, was du machst. Das ist vollkommen in Ordnung. Jeder soll seinen freien Willen haben. Es steht nicht in unserer Macht Menschen zu verändern, wenn diese es nicht wollen. Aber wir haben die Macht zu entscheiden, ob wir uns von einer Kritik von unserem Weg abbringen lassen oder nicht.

Es ist nicht die Kritik selbst, die verletzt, sondern die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Und das wiederum hat mit Emotionen zu tun. Emotionen, die im Zusammenhang mit einer Sache, einem Ziel, einem Vorhaben, einem Projekt haben. Vor allem die Emotion über uns selbst. Unberechtigte oder destruktive Kritik kann uns nicht verletzen. Wir können uns nur selbst verletzen. Nämlich dann, wenn die Emotion für die eigene Sache zu schwach ist. Wenn du von deinem Projekt, von deiner Aufgabe, von deinem Plan nicht hundertprozentig überzeugt bist. Nur dann wirst du anfällig gegenüber Kritik. Je mehr Gründe du dafür hast, warum du deine Ziele erreichen willst, desto stärker wird dein Gefühl für dein Projekt. Du kennst deine persönlichen Beweggründe und Motive für dein Projekt sehr genau. Und dann ist es auch nicht wichtig, was andere Menschen darüber sagen. Dann ist dir dein Ziel wichtiger als die Meinung der anderen.

In Bezug auf Kritik stelle ich mir immer nur zwei Fragen. Erstens: Ist die Kritik konstruktiv oder berechtigt? Zweitens: Ist die Kritik destruktiv oder unberechtigt? Trifft die erste Frage zu, nehme ich die Kritik an und beschäftige mich mit ihr. Ist die Kritik destruktiv, dann nehme ich sie nicht persönlich und lasse sie nicht an mich heran. Gedanklich distanziere ich mich von der Kritik, indem ich mir innerlich sage: „Diese Aussage hat für dich keinerlei Bedeutung.“ Wir dürfen unser Leben nicht nach den Nörglern ausrichten. Wir ganz allein entscheiden, ob uns Kritik trifft oder nicht. Wir entscheiden, was uns beeinflusst und was nicht.

Mein Impuls

Kritik und Ablehnung bekommen alle Menschen ab. Unterschiedlich ist, wie wir damit umgehen. Und das wiederum hat mit unserem Gefühl zu tun. Das Gefühl, das wir über unsere Sache haben. Über unser Projekt, über unser Ziel, über ein Vorhaben. Vor allem das Gefühl über uns selbst.

Unberechtigte Kritik kann uns nicht verletzen. Wir können uns nur selbst verletzen. Wenn das Gefühl für die eigene Sache zu schwach ist, wird man anfällig gegenüber Kritik und lässt sich von Misserfolg entmutigen.

Differenziere stets zwischen konstruktiver und destruktiver Kritik. Nimm destruktive Kritik nicht persönlich und lasse sie nicht an dich heran. Sag dir innerlich immer wieder: Diese Aussage hat für mich keinerlei Bedeutung.