Gipfel

Nun bin ich bereits, während ich diese Zeilen hier schreibe, seit ein paar Tagen zuhause und habe mich wieder an den deutschen Alltag einigermaßen akklimatisiert. Die vergangenen zwei Wochen in Tansania waren unglaublich erlebnisreich und haben mich emotional sehr bewegt. Diese Reise nach Ostafrika war für mich etwas ganz Besonderes. Und das aus mehreren Gründen.

Zum einen ist da der Kilimanjaro gewesen, bekanntlich der höchste Punkt des afrikanischen Kontinents. Dieser Berg stellte den Hauptgrund für die Reise dar. Der Kilimanjaro übt für viele Menschen eine große Faszination aus. Alpinisten und Bergwanderer zählen ihn zu ihren Traumgipfeln, die UNESCO zum Weltnaturerbe. Jedes Jahr wollen schätzungsweise 45.000 bis 50.000 Menschen den Kilimanjaro besteigen. Mit seinen 5.895 Metern ist er sogar weltweit der höchste freistehende Berg. Bei so vielen Superlativen und den Massen an Bergwanderern war ich zunächst etwas skeptisch, ob diese Tour, zumal organisiert, zu meiner sonst üblichen Art des Reisens passte. Naturerlebnis und Genuß – das war primär meine Zielsetzung für die Reise zum Kilimanjaro. Ich suchte dieses Mal nicht die sportliche Grenzerfahrung. Keine Extreme. Keinen Leistungsanspruch. Und ganz ehrlich: Ich habe es in vollen Zügen genossen, in einem ganz entspannten Tempo durch die beeindruckende Kulisse des Regenwalds zu wandern. Ich habe es genossen, (fast) jeden Abend im Camp einfach nur dazusitzen und den majestätischen Sonnenuntergang zu bestaunen. Ich habe es genossen, mit dem Guide oder dem Servicepersonal unseres Teams über das Leben zu philosophieren und dabei köstlichen afrikanischen Kaffee zu trinken (war zwar Instant Kaffee, aber auf über 4.000 Metern schmeckt der wie de Luxe). Diese Momente haben mir unglaublich viel gegeben.

Doch was die Reise für mich vor allem besonders machte, war die Tatsache, dass ich sie zusammen mit meinem Vater und meinem Bruder durchführte. Vielleicht kennst du das: Es gibt Ziele im Leben, die du auf jeden Fall und um jeden Preis angehen willst. Wenn du es nicht tust, würdest du es am Ende deines Lebens ewig bereuen. Genau solch ein Ziel stellte für uns als Familie der Kilimanjaro dar. Es ging dabei weniger darum, dass wir alle unbedingt den Gipfel erreichen wollten, als vielmehr um das gemeinsame Erlebnis. Meine Mundwinkel gehen immer noch nach oben, wenn ich an den Gesichtsausdruck meines Vaters denke, als er zum ersten Mal in seinem Leben ein Banana Beer, ein traditionelles Getränk in Ostafrika, zu sich nahm. Oder wie wir drei dichtgedrängt in einem vollbesetzten Dalla-Dalla (Kleinbusse in Tansania, die im Personennahverkehr eingesetzt werden) nach Arusha fuhren und uns dabei wie die berühmten Sardinen in der Dose vorkamen. Oder wie mein Bruder, der zuvor einen Sprachkurs in Suaheli (weit verbreiteste Sprache in Tansania und Ostafrika) machte, mit seinem Wortschatz immer wieder ein Lächeln und Begeisterung bei den Menschen hervorrief. Als mein Vater, mein Bruder und ich am 18. Juli 2015 um 7:30 Uhr den Gipfel des Kilimanjaro erreichten, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Für uns als Familie, vor allem für meinen Vater, ging damit ein Lebenstraum in Erfüllung.

Zu guter Letzt möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass diese Reise für mich auch einen Erkundungstrip für meine große Expedition in 2017 darstellte. Deshalb ging es für mich auch darum, einen ersten Eindruck von Tansania zu bekommen, ein Gespür für Land und Leute zu gewinnen und die Infrastruktur am Kilimandscharo kennenzulernen. Denn in 2017 will ich vom tiefsten Punkt Afrikas, dem Assalsee in Dschibuti zum höchsten, dem Gipfel des Kilimandscharo in Tansania laufen und dabei knapp 2.500 Kilometer durch vier Länder zurücklegen. An dieses Projekt denke ich jeden Tag und ich würde am liebsten heute schon loslaufen.