Ein Extremsportler wie ich lebt vom Erfolg, das ist mein Ziel, wenn ich einen Lauf oder gar eine komplette Expedition starte. Ein Beispiel hierfür ist der Ultra-Trail Mont Blanc, den ich nach langer Vorbereitung in 2007 absolviert und auch beendet habe. Meine Platzierung?

1.135 Läufer liefen vor mir durch das Ziel, sie ist also zu vernachlässigen. Dennoch ist dieser Lauf einer der größten Erfolge meiner Laufbahn als Extremsportler. Erfolg ist eben relativ. Was für die Einen ein Reinfall sein mag, kann für den Anderen der totale Durchbruch bedeuten.

Beim Ultra-Trail Mont Blanc sind rund die Hälfte der angetretenen Läufer gar nicht erst im Ziel angekommen. Auf der unglaublich harten Strecke von insgesamt 166 km und 9.400 Höhenmetern trennte sich die Spreu vom Weizen. Entlang des teils wirklich unmenschlichen Weges begegnete ich Kollegen, die sich erbrachen, zusammengebrochen sind, einfach am Ende ihrer Kräfte angekommen waren – teils noch weit vor der Hälfte der Strecke.

Mein eigener Körper stellte mich vor unglaubliche Herausforderungen. Nach über 100 gelaufenen Kilometern und mittlerweile 26 Std. nach dem Start versucht mein Körper, irgendwie Schlaf zu erlangen. Ich trommle mir auf die Brust, schreie mich selbst an, reiße die Augen weit auf, um bei mir zu bleiben und nicht beim Laufen einzuschlafen. Absolute Selbstbeherrschung und Disziplin sind gefragt.

Ich hatte bei diesem Ultra-Trail stets den nächsten Streckenabschnitt vor Augen. Alle 15 km war eine Verpflegungsstation für die Läufer zu finden. So war das Ziel vor Augen immer etwas kleiner als der Gesamtlauf, was weniger demotivierte und in meiner eigenen Vorstellung greifbarer als die gesamten 166 km.

Der Lauf war hart und verlangte mir alles ab. Doch hatte ich nie den Wunsch, diesen Trail zu gewinnen, Erster zu werden. Ich habe mich ein Jahr lang wirklich intensiv darauf vorbereitet. Mein Ziel, mein Maßstab für Erfolg war, dieses Rennen zu beenden, die Ziellinie zu überschreiten, alle Widrigkeiten meines Körpers zu überwinden. In der Tat habe ich jemals nur einen Volkslauf in meiner Heimat gewonnen. Aber das stört mich nicht.

Ich selbst stecke mir meine Ziele, die ideal angepasst sind an meine Möglichkeiten, meine Wünsche und meine Zeit. Erreiche ich diese Ziele, ist es für mich ein Erfolg. Lange vor Antritt des Ultra-Trail Mont Blanc war ich noch überzeugt davon, dass dieser eine Nummer zu groß für mich sei und ich ihn auf keinen Fall schaffen würde. Doch ich beschäftigte mich zunehmend damit, meine Perspektive verschob sich dadurch, was mich letztendlich dazu brachte, diesen Lauf in Angriff zu nehmen.

Somit ist es für mich ein Wahnsinns-Erfolg, das Ziel erreicht zu haben – ganz gleich, wie viele Läufer dies vor mir taten. Meine Vorbereitung, mein Wunsch, meine Arbeit wurden einzig und allein durch das Passieren der Ziellinie ein Erfolg. Die Läufer, die aus den unterschiedlichsten Gründen abbrechen mussten, würden mir hier sicher zu 100% zustimmen.

Diese Einstellung zum Erfolg wird auch durch Dankbarkeit unterstützt. Während dieses Laufes durch Schweiz, Frankreich und Italien wurde mir immer wieder bewusst, wie privilegiert ich bin, dass ich diesen Lauf absolvieren darf. Dass ich umgeben von einer so unglaublichen Natur-Kulisse, dieser Bergwelt, meinen Beruf ausüben darf, der keine Arbeit ist, sondern meine große und erfüllende Leidenschaft. Allein diese Tatsache ist der größte Erfolg für mich.

Mein Impuls

Setze Deine Ziele nicht in unerreichbarer Ferne fest. Passe sie Deinen Möglichkeiten an, um Erfolge feiern zu dürfen. Sei dankbar für diese Etappen-Erfolge, dann werden sie Dich nach und nach weiterbringen, deine Messlatte für Erfolge stetig nach oben schrauben. Messe Dich nicht mit Anderen, denn sie sind nicht Du. Ihre Möglichkeiten entscheiden sich von Deinen – sei es körperlicher oder materieller Natur. Nur Dein Erfolg zählt für Dich.