In den letzten Wochen habe ich es schon das eine oder andere Mal kurz angerissen. Bis jetzt hielt ich mich immer noch ein wenig bedeckt. Doch heute freue ich mich ganz besonders, euch mein neues Abenteuer vorzustellen: die EXPEDITION KAVIR. Es geht wieder in die Wüste. Dieses Mal – und das lässt mein Herz höher schlagen – durch eine der beiden großen Wüsten im Iran. Während ich hier in meinem Büro in Waldbronn sitze und diese Zeilen schreibe, kribbelt es in mir. Allein, wenn ich über dieses Ziel nachdenke. Iran, das alte Persien, die antiken Ruinen von Persepolis, neugierige, hilfsbereite und gastfreundliche Menschen, imposante Moscheen – dies sind nur einige Bilder, die ich im Kopf habe.

Was diese Reise für mich so besonders macht, ist die Tatsache, dass ich die Expedition komplett alleine durchführen werde. Also ohne Team, ohne motorisierte Unterstützung, ohne Fotografen werde ich mich „by fair means“ fortbewegen. Das gesamte Equipment inklusive Wasser- und Essensvorräte führe ich mit einem Ziehwagen – dem Trekpacker – mit. Gut 40 Kilo an Gewicht werde ich auf diese Weise durch die Wüste ziehen. Spätestens hier schüttelt sicherlich der eine oder andere mit dem Kopf und denkt sich: Wie kann man nur alleine in den Iran und vor allem alleine durch eine Wüste laufen? Doch eben genau dieser Aspekt, diese Ungewissheit macht dieses Projekt für mich so interessant und lässt meinen Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen. Schon heute, sechs Wochen bevor ich in den Iran fliege, freue ich mich wie ein kleines Kind auf dieses Abenteuer.

Es ist schon seit vielen Jahren ein Traum von mir, in den Iran zu reisen und eine der beiden großen Wüsten des Landes zu durchqueren. Die eindrucksvolle Stille, die vollkommene Abgeschiedenheit und die unendliche Weite einer Wüste faszinieren mich jedes Mal aufs Neue. Die Kavir – oder genauer Dasht-e-Kavir – ist die Große Salzwüste im Iranischen Hochland. Sie liegt im Hochbecken zwischen dem Zagros-Gebirge im Südwesten und dem Elburs-Gebirge im Norden. Die Expedition in die Kavir ist auch eine Reise durch die geologische Geschichte des Iran. Bei dieser Wüste handelt es sich um den ausgetrockneten Überrest eines urzeitlichen, versalzten Binnenmeeres. Die Flüsse der umliegenden regen- und schneereichen Gebirge ergossen sich mit ihrer Fracht aus verwittertem Gesteins- und Salzmaterial in diesem abflusslosen Binnenmeer. Durch die starke Verdunstung lagerten sich Salzschicht um Salzschicht am Boden ab. Die Kavir Wüste entstand. Nur an ganz wenigen Stellen sieht man Sand und Dünen. Der überwiegende Teil der Wüste besteht aus Stein und Salz.

Mit diesem Projekt lebe ich wieder meinen Traum. Gleichzeitig wird es auch wieder sportlich eine neue Grenzerfahrung. Knapp 700 Kilometer in 14 Tagen nehme ich unter meine Füße. Pro Tag im Schnitt 50 Kilometer. Als Selbstversorger mit 40 Kilo Gepäck in dieser herausfordernden Umgebung – eine Challenge. Unzählige Fragen gehen mir immer wieder durch den Kopf. Wie schnell komme ich in der Wüste voran? Reichen die Wasservorräte? Wie reagieren die wenigen Menschen, die in der Wüste leben, auf mich und mein Vorhaben? Wie viele Kalorien nehme ich pro Tag zu mir?

Am 17. Oktober fliege ich voraussichtlich nach Teheran, der Hauptstadt des Iran. Von dort aus geht es mit dem Zug weiter nach Damghan, einer 70.000 Einwohner-Stadt am nördlichen Rande der Kavir-Wüste. Hier will ich am 21. Oktober 2016 loslaufen. Nach vierzehn Tagen will ich Yazd, einer Oasenstadt und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz mit knapp 500.000 Einwohnern, erreichen. Dazwischen liegen zwei Wochen pure Einsamkeit, faszinierende Landschaften und unendliche Weite.

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich hier im Blog weiter über dieses Abenteuer berichten. Eines ist mir heute schon klar, während ich diese Zeilen schreibe: Die EXPEDITION KAVIR wird meine körperlichen und mentalen Grenzen abermals auf die Probe stellen und erweitern. Ganz nach meinem Motto „Die Grenze ist dort, wo die menschliche Vorstellungskraft endet.“

 

Bild: Juan Alberto Garcia Rivera, flickr.com