Wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh mit ihm zwei.

(Jesus)

Wenn du zehn Liegestütze machst, welche davon ist die wichtigste? Antwort: die Elfte. Bei den Liegestützen mache ich jeden Tag nur einen Satz und gebe dabei alles. Also so viele Liegestütze wie möglich. Und wenn ich absolut nicht mehr kann, dann mache ich noch einen Liegestütz. Diesen „Extra-Liegestütz“ schaffe ich nicht jedes Mal. An manchen Tagen klappt es, an anderen wiederum nicht. Das ist nicht schlimm. Mir geht es dabei um das Prinzip, das dahinter steht.

In der zusätzlichen Wiederholung, die eigentlich gar nicht mehr geht, liegt das größte Wachstum. Um wirklich zu erfahren, wie gut du sein kannst, musst du bereit sein, die Extrameile zu gehen. Die Extrameile ist eine Lebensphilosophie, eine Form des Seins. Wir sind zu weitaus viel mehr in der Lage, als unser momentaner Zustand dies vermuten lässt. Unser Potenzial ist viel größer als wir vermuten. Das gilt für jeden Bereich des Lebens.

Da sich die meisten Menschen in der Regel zu niedrige Ziele setzen, definieren sie damit für sich eine viel zu niedrige Grenze für ihr Leistungsvermögen. Sie richten ihre Ziele nach dem aus, was sie sind, und halten das Erreichen ihres Ziels für das absolute Limit. Obwohl ihr tatsächliches Potenzial viel höher ist. Deshalb befinden sich diese Menschen mit ihrem Ziel weiterhin in ihrer Komfortzone. Komfortabel deswegen, weil sie außerhalb jenes Bereiches sind, wo es wirklich wehtun könnte und wo sie sich überfordern könnten. Nur wenige Menschen akzeptieren keinerlei Grenzen in Bezug auf ihr mögliches Potenzial. Sie haben hohe Erwartungen in sich selbst, glauben an ihr Potenzial und setzen sich große Ziele. Sie messen sich dabei nicht an dem, was sie sind, sondern an dem, was sie gerne sein möchten und sind bereit, eine zusätzliche Aktivität zu unternehmen, falls dies für den Erfolg notwendig ist. Diese Menschen sind bereit, die Extrameile zu gehen. Die Extrameile macht den Unterschied aus zwischen großem Erfolg und Mittelmäßigkeit.

Warum gehen nicht alle Menschen die Extrameile? Der Mensch neigt dazu, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Wenn wir nur 50 Prozent zu geben brauchen, warum sollten wir dann 100 Prozent geben? Die Antwort lautet: Weil wir nur dann Respekt vor uns selbst haben. Weil wir nur dann erleben, wozu wir wirklich in der Lage sind. Weil wir nur dann unser Leben in vollen Zügen auskosten und intensiv leben. Ich erlebe das immer wieder selbst bei meinen Abenteuern. Eine Devise von mir, gerade in schwierigen Situationen, lautet: „Es darf auch mal weh tun.“ Das bedeutet, ich klammere den Schmerz nicht von vorneherein aus. Im Gegenteil. Der Schmerz ist Teil eines Projekts. Schmerz bedeutet Lebendigkeit. Schmerz drückt Dynamik und Bewegung aus. Es macht mir manchmal sogar Spaß, durch den Schmerz zu laufen und trotz des Schmerzes weiter meinen Weg zu gehen. Der Schmerz ist gut. Der Umgang mit der Schmerzzone unterscheidet den Gewinner vom Verlierer. Wer den Schmerz erträgt, ist bereit die Extrameile zu gehen. „Wenn ich nicht kann, dann muss ich“, lautet eine weitere Devise. Für mich würde es einen ungemein großen Schmerz bedeuten, wenn ich aufgrund eines körperlichen Leidens meine Ziele nicht erreichen kann. Deshalb bin ich bereit, Schwieriges und Hartes auf mich zu nehmen. Das kostet unglaubliche Überwindung und erfordert einen hohen Grad an Willenskraft.

Die Extrameile meint jedoch nicht 110 Prozent zu geben, wie es manche Motivationstrainer gerne propagieren. Gib 110 Prozent und alles ist möglich! Das geht nicht. Ich kann immer nur 100 Prozent geben. Mehr ist nicht möglich. 100 Prozent sind das Limit. Absolut betrachtet. Wenn du die 100 Prozent aber in Relation zur Höhe des Ziels stellst, dann ist in der Tat mehr möglich. Viel mehr. Wenn du aktuell ein Einkommen von 56.000 Euro verdienst und dein Ziel sind 70.000 Euro: Woher willst du wissen, dass dies der maximale Betrag ist? Sind nicht auch 80.000 Euro möglich? Oder 300.000 Euro? Oder gar 1.500.000 Euro?

Beim Verfolgen deines Ziels wirst du nur in den seltensten Fällen an deine maximale Leistungsgrenze kommen. Du wirst in der Regel unter den 100 Prozent bleiben, was dein mögliches Potenzial anbelangt.

Es gilt also: Dein Ziel + Extrameile(n) = Dein maximales Potenzial

So wichtig ist es, die Extrameile zu gehen, genauso wichtig sind Ruhephasen und Regenerationszeiten. Nicht immer und überall sind 100 Prozent notwendig. Oftmals ist es sinnvoller und langfristig zielführender, sich unterhalb der 100 Prozent-Linie zu bewegen. Du musst schlussendlich für dich wissen und entscheiden, in welchem Lebensbereich du die Extrameile gehst und wo nicht.

Mein Impuls

Die Extrameile macht den Unterschied aus zwischen großem Erfolg und Mittelmäßigkeit, zwischen Gewinner und Verlierer. Wer nicht bereit ist, im Leben die Extrameile zu gehen, dem wird vieles entgehen.

Wie sehen deine Extrameilen in deinem Alltag aus? Eine zusätzliche Seite im Fachbuch zu lesen, obwohl du keine Lust mehr hast? Beim Kunden X zum wiederholten Mal nachzufassen wegen eines wichtigen Auftrags? Eine zusätzliche Liegestütze, obwohl du nicht mehr kannst?