Das Leben eines Menschen ist das, was seine Gedanken daraus machen.

(Marc Aurel, 121–180)

Meine felsenfeste Überzeugung lautet: Viele Menschen könnten von ihrem Potenzial her extreme Läufe bestreiten. 100 Kilometer und mehr am Stück zu laufen, ist grundsätzlich für viele Menschen möglich. Wenn ich in meinen Vorträgen von meinen Abenteuern berichte, geraten viele Menschen ins Schwärmen und wollen auch ihren Träumen nachgehen. Doch dann tritt bei ihnen der Gedanke auf: Das schaffe ich doch gar nicht. Das kann ich doch gar nicht. Was ist das Resultat? Sie schaffen es nicht beziehungsweise gehen das Abenteuer erst gar nicht an. Wenn wir denken, dass wir etwas nicht schaffen, dann schaffen wir es auch nicht. Nicht, weil wir es nicht schaffen, sondern weil wir denken, dass wir es nicht schaffen. Und solange wir denken, dass wir es nicht schaffen, werden wir es nicht schaffen.

Gedanken haben eine enorm große Auswirkung auf unser Leben. Sie sind die Ursache für alles, was uns im Leben passiert. Unser Denken ist die einzig unsichtbare Kraft, die wir wirklich steuern können. Deine bisherigen Ergebnisse im Leben stehen im direkten Zusammenhang mit deinem Denken. Ob ich einen Extremlauf erfolgreich beende, hängt im Wesentlichen davon ab, was ich während des Abenteuers denke beziehungsweise welche Gedanken ich zulasse.

Wir sind, was wir den ganzen Tag denken. Wir werden, worüber wir nachdenken.

Doch wie denken wir? Und was bedeutet Denken? Denken ist nichts anderes als sich den ganzen Tag unbewusst gestellte Fragen zu beantworten. Wenn ich vor einer Trainingseinheit stehe, frage ich mich: Was ziehst du heute an? Welche Route läufst du? Nimmst du einen Rucksack mit oder nicht? Jedem Gedanken geht eine unbewusst gestellte Frage voraus. Das nehmen wir meistens gar nicht mehr bewusst wahr.

Die Gedanken sind frei – sagt der Volksmund. Doch sind sie das wirklich? Können wir wirklich denken, was wir wollen? Einige Leserinnen oder Leser werden sagen: Sicher können wir das! Aber dir wird es wie den meisten Menschen gehen: Wir denken größtenteils nicht mehr bewusst, wir denken wiederholt. Die Gedankenprozesse laufen automatisch und unbewusst ab. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir nur drei bis fünf Prozent neue Gedanken zulassen. Der Rest wird wiederholt. Es ist quasi ein geistiges Wiederkäuen der immer gleichen Gedanken. Wenn du beispielsweise einen sicher geglaubten Auftrag doch nicht bekommst, werden deine Gedanken eine Zeitlang sehr wahrscheinlich immer wieder um diesen Auftrag kreisen.

Was können wir dagegen tun? Wir können an unseren Gedanken arbeiten. Das machen viele Sportler. Es bedeutet, dass ich wissen sollte, was ich denke, damit ich entscheiden kann, ob ich es denken will oder nicht. Oder kurz gesagt: Wir müssen Gedankendisziplin erlernen. Das funktioniert durch bewusste und einfache Fragen, die wir uns immer wieder stellen. Solche Fragen sind:

Was denke ich gerade?

Will ich das denken?

Erreiche ich mit diesem Denken meine Ziele?

Wir bekommen also, und das ist das Entscheidende, ein Bewusstsein über unseren aktuellen Gedankeninhalt. Das ist bedeutsam, weil jeder mehrfach wiederholte Gedanke eine Denkgewohnheit wird. Ein Denkmuster. Hast du positive oder negative Gedankenmuster entwickelt?

Gedanken haben enorme Auswirkungen, vor allem in Bezug darauf, was möglich ist. Unsere Art zu denken, setzt uns die Grenzen. Das bedeutet: Wenn wir es schaffen, unser Denken zu verändern, können wir auch unsere Grenzen verschieben. Einverstanden? Es kommt dabei nicht darauf an, wo du gerade im Leben stehst. Es kommt nicht darauf an, von wo du losläufst. Entscheidend ist, dass du wirklich bereit bist zu lernen. Erfolg ist keine Frage von WIE, sondern von WER. Und WER ist trainierbar. Das WER trainierst du, indem du lernst, deine Gedanken bewusst zu steuern. Die Macht der Gedanken in dir ist viel stärker als deine aktuelle Lebenssituation. Es ist leicht, dein Denken von den aktuellen Lebensumständen steuern zu lassen. Dazu ein Beispiel: Du bist selbstständig und hattest einige umsatzschwache Monate. Entscheidend ist nun, ob du diesen Resultaten erlaubst, deine Gedanken zu steuern. Oder ob du neue Gedanken erschaffst und dich fragst, wie du das Ruder herumreißen wirst.

Denken und vor allem selbstständiges Denken ist die anstrengendste Tätigkeit, die es gibt. Selbstständig denken heißt, Dinge kritisch zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Viele Menschen konsumieren, ohne kritisch zu hinterfragen, sind passiv und lassen sich berieseln und von der Außenwelt beeinflussen. Wer selbstständig denkt, lässt sich nicht von der materiellen Welt und der Meinung anderer beeinflussen. Die eigenen Gedanken sind die einzige Ursache für alles, was in deinem Leben passiert.

Die meisten Menschen begreifen nicht, dass sie ihre Träume verwirklichen können. Wir haben alle riesiges Potenzial in uns. Der Unterschied zwischen den Menschen liegt darin, was sie daraus machen

Einmal traf ich beim Trollinger Marathon in Heilbronn einen guten Lauffreund von mir. Wir sprachen über Gott und die Welt und natürlich über das Laufen. Er erzählte mir von seinem Traum, einmal in seinem Leben einen Wüstenlauf in der Sahara machen zu wollen. „Ich wünsche mir diesen Lauf so sehr“, waren seine Worte. Dieser Gedanke, Worte sind hörbare Gedanken, hat er nun in seinem Kopf selbst geschaffen. Doch keine zehn Sekunden später kam von ihm diese Aussage: „Der Wüstenlauf ist aber viel zu teuer. Das kann ich mir nicht leisten.“ Diesen Gedanken hat er ebenfalls selbst kreiert. Welcher Gedanke wird sich jetzt in seinem Leben durchsetzen? Jener, mit dem er die stärkere Emotion verbindet. Wenn der Wunsch, den Lauf durch die Sahara zu machen, größer ist als der Zweifel, ob er sich das leisten kann, dann wird er früher oder später den Lauf realisieren.

Mein Impuls

Gedanken erzeugen Emotionen. Und Emotionen bringen dich ins Handeln oder Nicht-Handeln. Handeln produziert Ergebnisse. Die Summe der Ergebnisse wird dein Leben.

Wenn du etwas in deinem Leben verändern willst, geht es in erster Linie nicht darum, dein Handeln zu verändern. Weil das Handeln immer nur das Symptom ist. Du musst die Wurzel des Problems anpacken und dein Denken verändern. Dauerhafte Veränderung ohne ein verändertes Denken ist unmöglich. Lerne selbstständig zu denken, indem du bewusst entscheidest, welche Informationen du in deinen Kopf lässt.

Frage dich täglich:

  • Was denke ich gerade?
  • Will ich das denken?
  • Komme ich mit diesem Denken meinen Zielen näher?