Was keine Pause kennt, ist nicht dauerhaft.

(Publius Ovidius Naso, 43 v. Chr.–17 n. Chr.)

Meine sportlichen Abenteuer bewegen sich oft am Limit. Die Belastungen für Körper und Geist gehen natürlich an die Substanz, deshalb ist es enorm wichtig, sie auch entsprechend zu kompensieren. Mein Erfolgsgeheimnis lautet dabei: Pausen.

Ich gönne mir während einer Saison ausreichend Pausenzeiten. Diese Erholungsphasen zwischen den Trainingseinheiten und Expeditionen bilden für mich die Grundlage, um so lange und häufig laufen zu können. Es kommt auf die richtige Dosierung zwischen Training und Erholung an, um langfristig Erfolge zu erzielen. Dies wird im Sport sehr schön durch das Prinzip der Superkompensation beschrieben. Dieses Prinzip beschreibt den systematischen Wechsel zwischen Belastung und Entlastung und bildet den Kern jeder Trainingsmethode. Wenn wir trainieren, greift der Körper seine Reserven an. Nach einem Training sinkt das Leistungsvermögen deshalb zunächst unter das Ausgangsniveau, das wir vor dem Training hatten. Während der folgenden Erholungsphase füllt der Körper seine Reserven nicht nur wieder auf, sondern lagert zusätzliche Energiereserven ein, um für eine neue stärkere Belastung gerüstet zu sein. Das bedeutet, dass während der Erholungsphase unser Leistungsvermögen in der Regel kontinuierlich steigt, bis es wieder auf dem Level ist, den wir vor dem Training hatten. Und jetzt kommt der alles entscheidende Punkt: Erst in der letzten Phase der Erholung kommt es zur tatsächlichen Leistungssteigerung. Nicht im Training und auch nicht direkt nach dem Training. Deshalb sind ausreichende Pausen und Erholungsphasen elementar wichtig. Entscheidend für mich ist, dass ich mir nicht nur während meiner Laufsaison immer wieder Pausen gönne. Ich genehmige mir jedes Jahr bewusst nach dem Ende einer Saison mehrere Wochen eine läuferische Auszeit. In dieser Zeit laufe ich nur noch zwanzig oder dreißig Kilometer – und zwar in der Woche! Ein Pensum, das ich in der Vorbereitung auf einen Wettkampf normalerweise in einem einzigen Training absolviere, laufe ich dann verteilt über eine Woche. Und soll ich Ihnen etwas verraten: Ich fühle mich ausgezeichnet dabei. Ich genieße den Zustand, auch einmal keine sportlichen Ziele zu haben. Einfach die Beine hochzulegen und dem Körper Zeit für die wohlverdiente Regeneration zu gönnen und sich wieder verstärkt anderen Dingen zu widmen. Genauer gesagt habe ich in dieser Zeit auch ein Ziel, ein ganz klares Ziel sogar, das lautet: Pause machen. Ich plane meine Pausen- und Entspannungsphasen genauso sorgfältig wie mein Training und meine Wettkämpfe. Für mich sind die Pausen genauso wichtig.

Was im Sport eine Selbstverständlichkeit ist, müssen wir in anderen Lebensbereichen, allen voran im Job, häufig noch lernen. Denn das Einlegen von Pausen ist nicht nur im Sport ganz entscheidend. Erholungsphasen helfen uns vielmehr, in allen Lebensbereichen mit unserer Energie sinnvoll umzugehen. Zu viel Energieverbrauch ohne ausreichende Erholung führt dazu, dass wir ausbrennen und die Leistungsfähigkeit nachlässt. Über das Burnout-Syndrom ist schon einiges geschrieben worden. Tagtäglich können wir in den Medien darüber lesen. Wir verstehen darunter einen Zustand körperlicher und emotionaler Erschöpfung mit deutlich reduzierter Leistungsfähigkeit. In unserer heutigen Gesellschaft stellt es bereits eine der häufigsten Volkskrankheiten dar. Interessant ist die Tatsache, dass diese Krankheit alle sozialen Gruppen treffen kann: Student, Arbeiter oder Topmanager. Das Burnout-Syndrom schleicht sich zu meist über viele Jahre langsam ins Leben.

Wie bei einem Training sollten wir Pausen systematisch planen und in den Tagesablauf integrieren. Doch häufig planen wir unseren Tag und unsere Woche mit Kundenterminen, Meetings, Seminaren und anderen Terminen und vergessen dabei die Pausen. Diese scheinen für die meisten Menschen unwichtig zu sein. Doch niemand kann ohne Pause arbeiten. Untersuchungen haben bewiesen, dass jeder Mensch durch Pausen aufnahme- und leistungsfähiger wird. Bereits ein fünfzehnminütiges Mittagsschläfchen steigert die Leistungsfähigkeit bis zu dreißig Prozent. Warum machen wir es dann nicht? Warum legen wir uns nicht in der Mittagspause für ein paar Minuten aufs Ohr? Weil Erholung in der heutigen Zeit unglücklicherweise immer noch als Zeichen der Schwäche gesehen wird, anstatt als wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Leistungsfähigkeit. In wie vielen Unternehmen wird es beispielsweise gern gesehen, wenn sich ein Mitarbeiter über die Mittagspause kurz hinlegt?

Viele Menschen entwickeln schon ein schlechtes Gewissen, wenn sie einmal nichts tun. Sie sind in der Beschäftigungsfalle gefangen. Wer nicht ständig etwas unternimmt, dem wird langweilig. Der Mensch, der in seinem Tun einen Sinn sieht, dem wird nicht fad. Wir brauchen Zeit, um Pausen zu machen, zu reflektieren, zu entspannen, nachzudenken. Zeit, um einfach nichts zu tun. Ich genieße Pausen. Als Möglichkeit zur Stille und zur Besinnung auf das Wesentliche. Wir müssen nicht immer etwas tun. Wir können auch manchmal nur sein.

Mein Impuls

Reserviere dir ganz bewusst Pausenzeiten, wenn du deine Wochen-, Monats- und Jahresplanung machst. Trage deine Pausen in deinen Kalender als feste Termine ein. Das motiviert, weil du neben den anstrengenden Terminen bereits die Pausen siehst. Nimm die Pausenzeiten genauso ernst wie deine beruflichen und sonstigen Termine.

Wie wichtig sind für dich Pausen? Wie viele Pausen gönnst du dir während eines Tages, in einer Woche, in einem Monat, in einem Jahr? Wie viel Zeit reservierst du dir täglich für die Mittagspause? Wie lange schläfst du normalerweise?