„Die Erfindung des Problems ist wichtiger als die Erfindung der Lösung; in der Frage liegt mehr als in der Antwort.“

(Walther Rathenau, 1867–1922)

Es gibt in unserem Leben keine Probleme, nur Chancen und Möglichkeiten. Kennst du diesen Satz? Es ist eine der typischen Aussagen mancher Motivationstrainer. Tatsache ist, dass wir alle Probleme in unserem Leben haben. Jeder Mensch, unabhängig von seinem Status, seiner Kultur und seiner Herkunft hat Probleme. Wirklich jeder. Das ist das Leben. Okay, wir können zu einem Problem Herausforderung, Chance oder Möglichkeit sagen, das hört sich vielleicht charmanter an, letztendlich bleibt es aber ein Problem. In unserem ganzen Leben geht es darum, Probleme zu meistern. Denn: Wenn ich ein Problem gelöst habe, tritt schon das nächste auf. Und wenn ich dieses gemeistert habe, kommt wieder eines.

In der Planungsphase für das „Run to the Rock“-Projekt stand ich anfangs vor dem Problem das Budget zusammenzubekommen. Dann fand ich Sponsoren. Problem gelöst. Als Nächstes hatte ich Schwierigkeiten, die Genehmigungen für die Route durch das Outback zu erhalten. Schließlich bekam ich sie. Problem gelöst. Dann teilte mir der Autoverleiher mit, dass er uns nicht die gewünschten Geländewagen geben könnte. Ein paar Tage später erhielt ich die Nachricht, dass sie uns andere Modelle zur Verfügung stellen könnten. Problem gelöst.

Die Spitzhaustreppe von Radebeul, auf der ich im Jahr 2008 den Sächsischen Mount Everest Treppenmarathon bestritt, ist für den Umgang mit Problemen ein sehr anschauliches Bild und eine wunderbare Metapher. Unser Leben gleicht dieser Treppe mit den unterschiedlichen Stufen. Jede Treppenstufe steht für eine Problemqualität.

Die Schwierigkeiten steigen von Stufe zu Stufe. Haben wir ein Problem auf einer Stufe gelöst, kommt schon die nächste. Auf dieser Treppenstufe befinden wir uns wieder eine gewisse Zeit, bevor es weiter aufwärts auf die nächste Ebene geht. Nur auf einem höheren Niveau. Die einzelnen Treppenstufen mit ihren jeweiligen Herausforderungen haben einen Sinn. Sie bereiten uns auf die jeweils nächste Stufe vor. Jede Stufe hat ihre Schwierigkeiten. Ohne sie gemeistert zu haben, kommen wir nicht weiter. Und das ist gut so. Denn wir wären nicht stark genug für die nächste Ebene. Jede höhere Ebene erfordert eine höhere Frustrationstoleranz. Wir haben beim Treppensteigen immer zwei Möglichkeiten: Wir geben auf und bleiben stehen beziehungsweise gehen wieder hinunter. Oder wir wachsen und steigen weiter hinauf. Welche Entscheidung triffst du für deine persönliche Spitzhaustreppe in deinem Leben?

Viele Menschen denken, sie können nur glücklich sein, wenn sie keine Probleme haben. „Wenn ich erstmal mehr verdiene und finanziell unabhängig bin, dann habe ich keine Probleme mehr.“ Falsch! Erfolgreiche Menschen wissen, dass es immer Probleme geben wird. Je erfolgreicher du bist, desto mehr Probleme hast du. Je mehr Erfolg du hast, desto größer ist die Dimension deiner Probleme. Und das ist gut so. Denn: Wir wachsen nur an den Situationen, die uns wirklich fordern.

Warum sind Probleme bei den meisten Menschen so negativ besetzt? Denn für die meisten Probleme gilt doch: Das eigentliche Problem ist nicht so sehr das Problem, sondern die Art und Weise, wie wir eine Angelegenheit wahrnehmen. Unsere Art das Problem zu sehen, ist das Problem. Der Schlüssel liegt in der Einstellung, die wir gegenüber Problemen haben. Ein Problem hat weniger Macht über uns, wenn wir gedanklich und gefühlsmäßig nicht in ihm bleiben. Wir müssen unterscheiden, was außerhalb von uns passiert und wie wir innerlich darauf reagieren. Wir werden immer wieder auf die Schnauze fallen. Viele Probleme können wir einfach nicht beeinflussen. Das Einzige, was wir beeinflussen können, sind wir selbst und wie wir auf das Problem reagieren.

Probleme zwingen uns, uns mit den Seiten unseres Charakters auseinanderzusetzen, mit denen wir normalerweise wenig in Berührung kommen. Sie zwingen uns, mit schwierigen Situationen klarzukommen, und lehren uns, eher auf unseren Instinkt als auf antrainierte Standardmethoden zu vertrauen.

Mein Impuls

Wir alle haben in unserem Leben Probleme. Diese lassen sich nicht vermeiden. Sie sind Teil unseres Lebens. Doch das eigentliche Problem ist nicht so sehr, dass wir Probleme haben, sondern die Art und Weise, wie wir sie wahrnehmen. Unsere Art, das Problem zu sehen, ist also das Problem.

Was hältst du davon, einem Problem zukünftig positiv gegenüberzustehen. Konzentriere dich auf seine Lösung. Stelle dir folgende Fragen: wie gehe ich dieses Problem an? Was kann ich konkret tun, um dieses Problem zu lösen? Was ist gut an dieser Situation? Was könnte an ihr gut sein?

Mach dir bewusst:

Wenn du ein Problem hast, ist das gut. Denn du hast die Möglichkeit daran zu wachsen und dich weiterzuentwickeln.