„Das Leben ist entweder ein aufregendes Abenteuer oder gar nichts.“

Dieses Zitat der amerikanischen Schriftstellerin Helen Keller spricht mir aus der Seele. Abenteuer reizen mich. Sie sind für mich das Salz in der Suppe des Lebens. Ich suche mir sportliche Herausforderungen, bei denen ich beim ersten Gedanken daran spüre, wie mein Puls rast, wie die Unruhe in meinem Inneren aufflammt und sich mein gesamtes Wesen auf einen winzig kleinen Ausschnitt eines Augenblicks verdichtet. Doch ich suche nicht einfach so das Risiko. Ich suche das intensive Leben. Es gibt in meinem Leben fast nichts Aufregenderes, als ein Abenteuer einzugehen, das meine eigene Grenze in Bezug auf das bereits Bekannte sprengt. Je weiter weg ich mich aus meiner Komfortzone bewege, je mehr ich auf mich selbst angewiesen bin, desto intensiver lebe ich die Momente.

Es muss dabei nicht um höher, schneller, weiter gehen. Immer wieder eine neue und andere Erfahrung zu suchen, darum geht es mir. Auch bei meinem kommenden Projekt EXPEDITION KAVIR will ich für mich meine persönliche Grenze wieder neu definieren, meinen eigenen Horizont erweitern und mich persönlich weiterentwickeln. Und das setze ich um, indem ich dieses Mal komplett alleine, völlig autark, durch eine Wüste laufe. Durch die Kavir Wüste im Iran. Ohne Team, ohne motorisierte Unterstützung, ohne Fotograf. „By fair means“, also ohne Hilfsmittel von außen, lautet die Devise. Das gesamte Equipment inklusive Wasser- und Essensvorräte führe ich ein einem Ziehwagen mit. Im Durchschnitt 50 Kilometer pro Tag mit gut 40 Kilogramm an Gewicht hinter mir herzuziehen fordert einiges von Körper und Geist. Und das über zwei Wochen. Jeden Tag. Das ist mir bereits bewusst geworden, als ich zum ersten Mal mit dem Trekpacker, meinem Ziehwagen, im Frühjahr diesen Jahres bei mir zuhause trainiert habe. Mit nur 15 Kilogramm Gepäck. Das war anfangs sehr ungewohnt und ich dachte mir: Wie willst du bitte mit diesem Gefährt und viel mehr Gepäck zwei Wochen lang durch eine Wüste laufen? Doch mit der Zeit wurde es besser, vor allem wenn ich mit dem Ziehwagen auf asphaltierten Wegen unterwegs war. Doch in der Kavir Wüste erwarten mich keine gut ausgebauten Straßen, sondern meistens staubige und sandige Pisten. Das ist nochmals eine ganz andere Hausnummer.

Eine weitere Herausforderung, mit der ich mich schon lange beschäftige, wird die adäquate Wasserversorgung während der Expedition sein. Im Abstand von 100 bis 150 Kilometern werden auf meiner knapp 700 Kilometer langen Route kleine Zivilisationspunkte kommen, an denen ich meine Wasservorräte auffüllen kann. Dazwischen ist nichts. Nichts außer der Weite und Abgeschiedenheit der Wüste. Faszinierend und angsteinflößend zugleich. Mit fünf Litern pro Tag kalkuliere ich. Das bedeutet einen Wasservorrat von knapp zehn Litern, den ich mit mir schleppe. Das Gut Wasser stellt damit das schwerste, gleichzeitig aber auch wichtigste Utensil meiner Expedition dar.

Selbstversorger in der Wüste und absolute Autonomie – für mich als freiheitsliebenden Menschen – zwei reizvolle Parameter für ein Laufabenteuer. Doch das Alleinsein bringt auch gewisse Risiken mit sich. Was ist, wenn ich mich unterwegs verletze und nicht mehr weiterlaufen kann? Was, wenn ich die Wasserquellen falsch eingeschätzt habe? Was mache ich, wenn ich mitten in der Wüste Fieber bekomme? Das sind Fragen, mit denen ich mich beschäftige und die ich mir bewusst stelle. Expeditionen müssen in einer gewissen Art und Weise kalkulierbar sein. Dazu gehört, dass ich die Risiken schon in der Vorbereitungsphase erkenne, mich mit ihnen auseinandersetze und diese so gering wie möglich halte. An die EXPEDITION KAVIR ging ich mit einer Vorlaufzeit von zwei Jahren heran. Eine langfristige, systematische und professionelle Vorbereitung bilden die Grundlage zur erfolgreichen Durchführung eines Abenteuers.

Ich kann gar nicht recht glauben, dass ich bereits in 19 Tagen in den Iran fliege. Mit meinen Gedanken bin ich schon lange in dem Land, das mich bereits seit vielen Jahren fasziniert. Und nun kann ich die Tage zählen, bis es losgeht. Der Countdown läuft…

 

Bild: Norman Bücher