Abenteuer

Expeditionsseminar in den Oman: Eine Tour durch die Rub al Khali

Freudestrahlend schaue ich hoch an den wolkenfreien Himmel, an dem die Sonne wie eine Königin thront. Dabei macht sich eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körper breit. Es prickelt in mir vom Kopf bis zur Fußspitze. Ich bin völlig losgelöst von allem. Bin ganz bei mir angekommen. Bin einfach nur da. Meine Beine, meine Arme, meine Füße, mein Kopf – alles fühlt sich ganz leicht an. Eine grenzenlose Weite umgibt mich. Ich genieße die Ruhe. Eine Stille, wie ich sie lange nicht mehr erleben durfte. Wohin ich auch schaue. Nichts. Nichts – außer Wüste. Ich befinde mich mitten in der größten Sandwüste der Erde, sitze auf einer Sanddüne, blicke über eine majestätische Landschaft und bin völlig im Hier und Jetzt. Genauer gesagt bin ich in der Rub al Khali im Sultanat Oman. Die Wüste, auch das „Leere Viertel“ genannt, bietet pure Einsamkeit, wunderschöne Dünen und einen prächtig funkelnden Sternenhimmel. Die Rub al Khali gehört bis heute zu den unzugänglichsten Gebieten unserer Erde. Sie stellt gleichzeitig einen inspirierenden Raum dar, der anregt, über seine Träume, Lebensziele, Visionen und den persönlichen Lebenssinn nachzudenken.

Während ich diese Zeilen in meinem Büro in Waldbronn schreibe, huscht mir ein Lächeln über den Mund. Fast ein ganzer Monat liegt nun schon zwischen heute und dem Abflug in den Oman. Genügend Abstand, um diese Reise ein wenig Revue passieren zu lassen.

Am 3. November 2017 startete diese für mich ganz besondere Reise. Eine Premiere. Mein allererstes Expeditionsseminar (so habe ich diese Reise getauft) stand an. Seit vielen Jahren habe ich bereits über diese Art der Reise nachgedacht. Eine Mischung aus Abenteuerreise mit Seminarinhalten. Eine Kombination aus Outdoor und Workshops. Jetzt habe ich dieses Ziel in die Tat umgesetzt.

„Dieses Expeditionsseminar ist mehr als nur ein Abenteuer. Es ist eine Reise, ein Weg zu dir selbst.“ Diese Worte stammten aus der Broschüre, mit der ich auf meiner Website für diese Reise warb. In den vergangenen zehn Jahren habe ich zahlreiche Wüsten bereisen und durchqueren dürfen. Komplett alleine und im Team. Beispielsweise bin ich durch die Wüste Gobi in der Mongolei, die Kalahari in Südafrika, die Atacama Wüste in Chile, die Great Victoria Desert in Australien oder durch die Kavir Wüste im Iran gelaufen. Die eindrucksvolle Stille, die vollkommene Abgeschiedenheit und die unendliche Weite faszinieren mich jedes Mal aufs Neue. Daher war für mich klar: meine erste Seminarreise geht in die Wüste.

Selbst nach vier Wochen zeitlichem Abstand ist es schwer, das Erlebte in Worte zu kleiden. Ich habe vielfältige, horizonterweiternde Eindrücke durch diese Expedition gewonnen. In den ersten beiden Tagen der Reise waren wir alle – die Crew, die fünf Teilnehmer und ich als Workshopleiter – noch sehr in unserem Alltag gefangen. Bevor es in die Wüste ging, verbrachten wir noch eine letzte Nacht in einem luxuriösen Hotel in Salalah, der zweitgrößten Stadt Omans. Emails checken, Telefonate führen, Geschäfte regeln stand bei vielen noch auf dem Programm. Doch nur zwei Tage später – in der Wüste angekommen – verloren diese Dinge für uns alle an Wichtigkeit. Wir genossen es, uns voll und ganz auf die Wüste einzulassen. Keine Störungen. Keine Ablenkungen. Kein Lärm. Keine anderen Menschen. Keine Autos. Keine Geräusche. Nur wir und die unglaubliche Weite der Wüste. Besonders die Gespräche und Workshops mit den Teilnehmern empfand ich als absolute Bereicherung. Wie manche Teilnehmer ihr Herzblut, ihre Leidenschaften, ihre Lebensphilosophie in den Workshops am Nachmittag offenbarten und diese mit den anderen teilten. Tiefgründige und gewinnbringende Gespräche rundeten die Tage in der Wüste ab. Was ist der Sinn des Lebens? Auf welche Weise lässt sich eine Vision in ein Unternehmen tragen? Was ist wirklich wichtig im Leben?

Ein Highlight für uns alle waren die grandiosen Natureindrücke. Allein die Dimensionen der Sanddünen: teilweise 100 bis 200 Meter hoch. G-I-G-A-N-T-I-S-C-H! Das raubt dir den Atem in Anbetracht dieser Schönheit der Natur. Die Formen und Farben der Dünen schienen wie gemalt. Dazu die verschiedenen Farbfacetten des Sands: von gold über rotbraun bis zu blaugrau. Ein faszinierender Anblick. Und dann diese unendliche Weite. Du kommst dir als Mensch in dieser endlos erscheinenden Wüstenlandschaft wie ein absoluter Winzling vor. Wie klein und unbedeutend du bist, kommt es mir in diesen Tagen in der Wüste immer wieder in den Sinn. Ein Pups im Universum. Die Tage in der Rub al Khali erdeten die Teilnehmer und mich ungemein und rückten unseren Blick wieder in die richtige Perspektive.

Ein weiterer Höhepunkt war es, jeden Nachmittag unser Zelt inmitten dieser sagenhaften Kulisse aufschlagen zu dürfen. Einfach nur da zu sein, in der Wüste zu sitzen, die Umgebung bewusst wahrzunehmen und jedes Detail in sich aufzusaugen. Die wechselnden Farbnuancen am Himmel oder den beeindruckenden Sternenhimmel. Es stellte für uns ein großes Stück Freiheit dar, hier in einer der entlegendsten Landschaften der Erde sein zu dürfen. Kein Geld der Welt können solche Momente ersetzen. Das köstliche Abendessen, liebevoll von der omanischen Crew zubereitet, schmeckte wie ein Fünf-Gänge-Menü in einem Nobelrestaurant. Genau diese Einfachheit empfanden wir als absolutes Privileg. Mit einem zufriedenen Lächeln legte ich mich jeden Abend in meinen Schlafsack in dem Bewusstsein, im schönsten Bett der Welt nächtigen zu dürfen: unter freiem Himmel, von unzähligen Sternen umringt.

Zehn Tage später. Wir sind mittlerweile wieder in Deutschland. Unsere sandigen Wüsten-Wanderstiefel haben wir wieder gegen normale Straßenschuhe eingetauscht. Der massar und die dishdasha – die traditionelle Bekleidung der Omanis – wurde durch warme Pullover und dicke Daunenjacken ersetzt. Auf die Stille und Weite der Wüste sind wieder die Geschäftigkeit und der Lärm der westlichen Welt gerückt. Was bleibt ist zum einen die Erinnerung. Und zum anderen die Erkenntnis, ein Stück weiter seines Weges der persönlichen Lebensreise gegangen zu sein.

SEA2SEA +++ Expeditions-Ticker +++

 

++ 08.06.2017 ++

Wir haben es geschafft!!!

Heute Nachmittag gegen 16 Uhr erreichte ich gemeinsam mit meiner Begleiterin, der Journalistin und Fotografin  Carole Pipolo, das Kaspische Meer in Baku. 

Nach 1.030 km und 20 ereignisreichen Etappen geht die Expedition SEA2SEA erfolgreich zu Ende. Ich bin so überglücklich und dankbar, dass ich diesen Traum, vom Schwarzen Meer zum Kaspischen Meer zu laufen, in die Tat umsetzen durfte! 

Nun genieße ich den Moment und freue mich auf zwei weitere Tage in dieser tollen Stadt Baku. 

Vielen Dank an Euch alle, dass Ihr mich unterstützt und hier begleitet habt! 

++ 07.06.2017 ++

Was für eine Etappe! 
Über die heutige Distanz von 66 km machten uns Hitze, Gegenwind und die gut befahrene Straße zu schaffen. Nun freue ich mich hundemüde auf mein Zelt. 

Nur noch 60 km bis Baku!

++ 06.06.2017 ++

Heute sind wir in Samaxi angekommen. Dies liegt ca. 120 km von Baku entfernt. 

Zuvor absolvierten wir unsere 18. Etappe mit vielen Anstiegen und tollem Wetter. Ich hatte viel Spaß und fühlte mich sehr gut. 

Drückt mir die Daumen, dass alles klappt, denn dann erreichen wir bereits übermorgen das kaspische Meer!

++ 05.06.2017 ++

Von Qabala nach Ismayilli führte uns die 17. Etappe nun. Sie war leider sehr zäh und erschöpfend. Permanente An- und Abstiege sowie fehlender Schlaf waren die heutigen Hürden. In der vorangegangenen Nacht suchten ein halbes Dutzend Moskitos unser Zelt heim…

Die Länge der kürzesten Etappe (44 km) fühlte sich somit wesentlich länger an, als sie eigentlich war. 

Die heutige Nacht kann nur besser werden. Sicher sind meine Akkus morgen wieder aufgeladen.

++ 04.06.2017 ++

Wir begegneten auf der heutigen 16. Etappe vielen netten Menschen mit denen wir tolle Gespräche führten. Dadurch merkten wir kaum, wie die Etappe voranschreitete und wir unser Ziel Qabala schließlich erreichten. 

Noch 215 km bis Baku!

++ 03.06.2017 ++

Hochzufrieden und ausgepowert liege ich im Bett. Wir haben heute 60 km und 1200 Höhenmeter bewältigt, um schließlich gegen 19:30 Uhr Oguz zu erreichen. Die Etappe war heute wieder sehr kraftraubend aufgrund der langen Anstiege. Doch das Wetter und das Panorama liesen mich die Strapazen sehr schnell vergessen.

771 km haben wir bis hierhin schon geschafft. In 5 Tagen möchten wir Baku erreichen. 

++ 02.06.2017 ++

Heute Nacht soll es gewittern, weshalb wir unser Nachtlager im Nebenraum eines Cafés nahe der Stadt Seki aufgeschlagen haben. 

Die Etappe war heute sehr schön und kurzweilig. Meine Kräfte sind zurückgekehrt. So kann es weitergehen!

++ 01.06.2017 ++

Die heutige 13. Etappe führte uns von Balakan nach Zaqatala. Die Wärme erschwerte das Laufen und lies meine Beine müde werden. Nach 46 km erreichten wir unser Ziel, worüber ich sehr froh war. Heute übernachten wir wieder im Zelt an der Straße zwischen Zaqatala und Seki. 

Nun sind es noch 350 km bis Baku.

++ 31.05.2017 ++

Gestern war ein unglaublicher Tag! Bislang definitiv die schönste, ereignisreichste und intensivste Etappe. Wir hatten so wunderbare Begegnungen…. Zwei alte Frauen am Straßenrand beschenkten uns mit Kirschen, ein LKW-Fahrer schmetterte uns fröhlich ein „Welcome to Georgia“ entgegen. Eine Familie lud uns zu Vodka und Bier ein. Letzteres haben wir natürlich dankend abgelehnt…

Am Abend gingen wir einer Einladung eines Farmers nach und aßen mit seiner Familie zu Abend. Anschließend nächtigten wir unter einem wundervollen Sternenhimmel. 

++ 30.05.2017 ++

HALBZEIT! 

Ab heute wird rückwärts gezählt! Diese Tatsache ist für mich mental ungemein wichtig. 

++ 29.05.2017 ++

Etappe 10 nach Badiauri stand heute auf dem Plan. Es war ein schwieriger Abschnitt für mich, ich fühlte mich sehr müde. Trotzdem es am Nachmittag besser wurde, war ich wirklich froh, als wir nach 55 km Badiauri endlich erreichten. 

++ 28.05.2017 ++

Die meiste Zeit von Etappe 9 sind wir heute am Highway entlang gelaufen. Hier war Konzentration gefragt, da viele LKW unterwegs waren. Nach unserem Fauxpas gestern bin ich heute über insg. 52 km sehr gut voran gekommen. 

Noch 130 km bis Aserbaidschan!

++ 27.05.2017 ++

Die heutige 8. Etappe war ein Highlight der etwas anderen Art. Wir starteten von Mtskheta Richtung Abanos Khevi-Tolenji. Als wir nach einiger Zeit in eine Sackgasse liefen, stellten wir fest, dass wir uns verlaufen hatten. Nun nächtigen wir wieder in der Nähe von Mtskheta – nachdem wir einen Umweg von satten 45 km (!!!) auf uns nehmen mussten. 

Es kann nur besser werden!

++ 26.05.2017 ++

Heute bekamen wir im wahrsten Sinne des Wortes ordentlich Gegenwind, was das Vorankommen merklich erschwerte. Unser Etappenziel heute ist Mtskheta – die ehemalige Hauptstadt Georgiens. 

++ 25.05.2017 ++

54 km war die 6. Etappe lang und endete in Gori. 

Nach schier unendlichem Dauerregen wurde uns heute ein wunderbarer, sonniger Tag beschert mit einem strahlend blauen Himmel. Das Laufen fällt so automatisch leichter. 

Auch heute erlebten wir wieder grenzenlose Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Einheimischen. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich hier sein darf!

++ 24.05.2017 ++

…leider wurde ich nicht erhört. Die komplette Etappe war verregnet. Dennoch haben wir 60 km geschafft und sind gut in Khashuri angekommen. 

Heute gibt es köstliche Pasta Bolognese aus der Tüte, danach folgt der wichtige und erholsame Schlaf. 

++ 24.05.2017 ++

Gleich starten wir nach einem herrlichen Frühstück  in die 5. Etappe in Richtung Khashuri. Ich hoffe, wir bleiben heute vom Regen verschont…

++ 23.05.2017 ++

Etappe 4 haben wir heute erfolgreich beendet. Es lief sehr gut, wir haben wieder viel erlebt und gesehen. Heute übernachten wir im Guest House in dem kleinen Dorf Aktsuri. Dessen Besitzer haben uns spontan auf eine Geburtstagsparty eingeladen. Die Gastfreundschaft dieser Menschen fasziniert mich. 

++ 22.05.2017 ++

Nach einer langen Etappe sind wir gestern in dem Dorf Adigeni angekommen. Mir geht es wirklich hervorragend, was u.a. auch an den unzähligen Eindrücken und Begegnungen, umringt von wunderschöner Landschaft, liegt. 

Die Wege sind matschig und ziemlich aufgeweicht, was das Laufen deutlich erschwert. 

++ 21.05.2017 ++

Gerade laufe ich durch das Dorf Khulo mit bereits 82 km in den Beinen. Die Strecke ist sehr anspruchsvoll, da viele Höhenmeter zu bewältigen sind. Dennoch läuft es bislang sehr gut. 

Noch 18 km trennen mich vom heutigen Etappenziel Nr. 2.

++ 19.05.2017 ++

Meine Fotografin Carole und ich sind um 3:30 Uhr in Tiflis angekommen. Knapp 400 km mussten wir noch zurücklegen bis nach Batumi. Das Wetter ist ähnlich wie zu Hause  – verregnet und etwa 16°C.

Wir hatten noch viel Organisatorisches zu erledigen. Dabei stellten wir fest, dass der Vermieter unseres Appartements in Batumi aus Karlsruhe kommt. 

Morgen geht es los!

Gedankenkraft: Wie unser Denken unser Leben steuert

Das Leben eines Menschen ist das, was seine Gedanken daraus machen.

(Marc Aurel, 121–180)

Meine felsenfeste Überzeugung lautet: Viele Menschen könnten von ihrem Potenzial her extreme Läufe bestreiten. 100 Kilometer und mehr am Stück zu laufen, ist grundsätzlich für viele Menschen möglich. Wenn ich in meinen Vorträgen von meinen Abenteuern berichte, geraten viele Menschen ins Schwärmen und wollen auch ihren Träumen nachgehen. Doch dann tritt bei ihnen der Gedanke auf: Das schaffe ich doch gar nicht. Das kann ich doch gar nicht. Was ist das Resultat? Sie schaffen es nicht beziehungsweise gehen das Abenteuer erst gar nicht an. Wenn wir denken, dass wir etwas nicht schaffen, dann schaffen wir es auch nicht. Nicht, weil wir es nicht schaffen, sondern weil wir denken, dass wir es nicht schaffen. Und solange wir denken, dass wir es nicht schaffen, werden wir es nicht schaffen.

Gedanken haben eine enorm große Auswirkung auf unser Leben. Sie sind die Ursache für alles, was uns im Leben passiert. Unser Denken ist die einzig unsichtbare Kraft, die wir wirklich steuern können. Deine bisherigen Ergebnisse im Leben stehen im direkten Zusammenhang mit deinem Denken. Ob ich einen Extremlauf erfolgreich beende, hängt im Wesentlichen davon ab, was ich während des Abenteuers denke beziehungsweise welche Gedanken ich zulasse.

Wir sind, was wir den ganzen Tag denken. Wir werden, worüber wir nachdenken.

Doch wie denken wir? Und was bedeutet Denken? Denken ist nichts anderes als sich den ganzen Tag unbewusst gestellte Fragen zu beantworten. Wenn ich vor einer Trainingseinheit stehe, frage ich mich: Was ziehst du heute an? Welche Route läufst du? Nimmst du einen Rucksack mit oder nicht? Jedem Gedanken geht eine unbewusst gestellte Frage voraus. Das nehmen wir meistens gar nicht mehr bewusst wahr.

Die Gedanken sind frei – sagt der Volksmund. Doch sind sie das wirklich? Können wir wirklich denken, was wir wollen? Einige Leserinnen oder Leser werden sagen: Sicher können wir das! Aber dir wird es wie den meisten Menschen gehen: Wir denken größtenteils nicht mehr bewusst, wir denken wiederholt. Die Gedankenprozesse laufen automatisch und unbewusst ab. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir nur drei bis fünf Prozent neue Gedanken zulassen. Der Rest wird wiederholt. Es ist quasi ein geistiges Wiederkäuen der immer gleichen Gedanken. Wenn du beispielsweise einen sicher geglaubten Auftrag doch nicht bekommst, werden deine Gedanken eine Zeitlang sehr wahrscheinlich immer wieder um diesen Auftrag kreisen.

Was können wir dagegen tun? Wir können an unseren Gedanken arbeiten. Das machen viele Sportler. Es bedeutet, dass ich wissen sollte, was ich denke, damit ich entscheiden kann, ob ich es denken will oder nicht. Oder kurz gesagt: Wir müssen Gedankendisziplin erlernen. Das funktioniert durch bewusste und einfache Fragen, die wir uns immer wieder stellen. Solche Fragen sind:

Was denke ich gerade?

Will ich das denken?

Erreiche ich mit diesem Denken meine Ziele?

Wir bekommen also, und das ist das Entscheidende, ein Bewusstsein über unseren aktuellen Gedankeninhalt. Das ist bedeutsam, weil jeder mehrfach wiederholte Gedanke eine Denkgewohnheit wird. Ein Denkmuster. Hast du positive oder negative Gedankenmuster entwickelt?

Gedanken haben enorme Auswirkungen, vor allem in Bezug darauf, was möglich ist. Unsere Art zu denken, setzt uns die Grenzen. Das bedeutet: Wenn wir es schaffen, unser Denken zu verändern, können wir auch unsere Grenzen verschieben. Einverstanden? Es kommt dabei nicht darauf an, wo du gerade im Leben stehst. Es kommt nicht darauf an, von wo du losläufst. Entscheidend ist, dass du wirklich bereit bist zu lernen. Erfolg ist keine Frage von WIE, sondern von WER. Und WER ist trainierbar. Das WER trainierst du, indem du lernst, deine Gedanken bewusst zu steuern. Die Macht der Gedanken in dir ist viel stärker als deine aktuelle Lebenssituation. Es ist leicht, dein Denken von den aktuellen Lebensumständen steuern zu lassen. Dazu ein Beispiel: Du bist selbstständig und hattest einige umsatzschwache Monate. Entscheidend ist nun, ob du diesen Resultaten erlaubst, deine Gedanken zu steuern. Oder ob du neue Gedanken erschaffst und dich fragst, wie du das Ruder herumreißen wirst.

Denken und vor allem selbstständiges Denken ist die anstrengendste Tätigkeit, die es gibt. Selbstständig denken heißt, Dinge kritisch zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Viele Menschen konsumieren, ohne kritisch zu hinterfragen, sind passiv und lassen sich berieseln und von der Außenwelt beeinflussen. Wer selbstständig denkt, lässt sich nicht von der materiellen Welt und der Meinung anderer beeinflussen. Die eigenen Gedanken sind die einzige Ursache für alles, was in deinem Leben passiert.

Die meisten Menschen begreifen nicht, dass sie ihre Träume verwirklichen können. Wir haben alle riesiges Potenzial in uns. Der Unterschied zwischen den Menschen liegt darin, was sie daraus machen

Einmal traf ich beim Trollinger Marathon in Heilbronn einen guten Lauffreund von mir. Wir sprachen über Gott und die Welt und natürlich über das Laufen. Er erzählte mir von seinem Traum, einmal in seinem Leben einen Wüstenlauf in der Sahara machen zu wollen. „Ich wünsche mir diesen Lauf so sehr“, waren seine Worte. Dieser Gedanke, Worte sind hörbare Gedanken, hat er nun in seinem Kopf selbst geschaffen. Doch keine zehn Sekunden später kam von ihm diese Aussage: „Der Wüstenlauf ist aber viel zu teuer. Das kann ich mir nicht leisten.“ Diesen Gedanken hat er ebenfalls selbst kreiert. Welcher Gedanke wird sich jetzt in seinem Leben durchsetzen? Jener, mit dem er die stärkere Emotion verbindet. Wenn der Wunsch, den Lauf durch die Sahara zu machen, größer ist als der Zweifel, ob er sich das leisten kann, dann wird er früher oder später den Lauf realisieren.

Mein Impuls

Gedanken erzeugen Emotionen. Und Emotionen bringen dich ins Handeln oder Nicht-Handeln. Handeln produziert Ergebnisse. Die Summe der Ergebnisse wird dein Leben.

Wenn du etwas in deinem Leben verändern willst, geht es in erster Linie nicht darum, dein Handeln zu verändern. Weil das Handeln immer nur das Symptom ist. Du musst die Wurzel des Problems anpacken und dein Denken verändern. Dauerhafte Veränderung ohne ein verändertes Denken ist unmöglich. Lerne selbstständig zu denken, indem du bewusst entscheidest, welche Informationen du in deinen Kopf lässt.

Frage dich täglich:

  • Was denke ich gerade?
  • Will ich das denken?
  • Komme ich mit diesem Denken meinen Zielen näher?

Absolut: Es geht nur um dich

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.

(Soren Kierkegaard, 1813–1855)

Immer wieder ein Abenteuer zu suchen, ins Unbekannte aufzubrechen, eine völlig neue Erfahrung zu machen, fasziniert mich ungemein. Das stellt für mich die Essenz des Lebens dar. Pure Lebensfreude. Aber auch das traditionelle Laufen und die klassische Leichtathletik begeistern mich nach wie vor. Vor Mittelstrecken wie beispielsweise einem 800 Meter-Lauf habe ich allergrößten Respekt. In diesem Sport entscheiden oft Hundertstelsekunden über Gold, Silber und Bronze. Ein Rennen, das mir bis heute sehr lebendig in Erinnerung geblieben ist, war der Finallauf über 800 Meter bei den Olympischen Spielen in London im Jahr 2012.

Ich habe dieses Ereignis deswegen noch lebhaft vor Augen, weil bei diesem Rennen alle acht Läufer unter einer Zeit von 1:44 Minuten blieben, was es zuvor noch niemals gegeben hatte. Sieben der acht Finalisten stellten eine persönliche Bestzeit auf. Unglaublich! David Rudisha, ein Ausnahmeläufer aus Kenia, gewann dieses Finale und stellte mit seiner Zeit von 1:40:91 Minuten einen neuen Weltrekord auf. Damit verbesserte er seine eigene Bestzeit, die er vor zwei Jahren in Rieti aufgestellt hatte, um eine Zehntelsekunde. Was viele Menschen vielleicht nicht mehr wissen: Der zweitplatzierte Nijel Amos aus Botswana lief mit 1:41:73 Minuten die achtbeste Zeit aller Zeiten und stellte einen neuen Junioren-Weltrekord auf. Er machte das Rennen seines Lebens und lief eine neue persönliche Bestzeit. Ein riesengroßer Erfolg. Doch er wurde mit seiner Rekordzeit eben „nur“ Zweiter. Doch jetzt kommt es darauf an! Was war sein Ziel gewesen? War es sein Ziel, sein Bestes zu geben und einen persönlichen Rekord aufzustellen? Dann fühlte er sich mit seiner Silbermedaille wie im siebten Himmel. Oder war es sein Ziel, der Beste zu sein und Gold zu gewinnen? Dann war Nijel Amos gescheitert. Er würde den zweiten Platz als bittere Niederlage empfinden.

Gold zu holen – das klingt nach einem absoluten Ziel, es ist aber nur ein relatives. Warum? Weil die Leistung eines Menschen immer mit der von anderen verglichen wird. Viele Menschen setzen ihre Ziele in Konkurrenz zu anderen, also in Relation zu deren Leistung. Sie orientieren sich am Außen. Das ist kontraproduktiv. Relative Ziele sind der direkte Weg in die permanente Unzufriedenheit, denn es gibt fast immer jemanden, der besser ist als du.

Deshalb: Vergleich dich nicht mit anderen. Ein relatives Ziel kann nie deine eigene Leistung messen, denn die Umstände, die einen Menschen an die Spitze bringen, liegen nicht in deiner Hand. Alles, worüber du bestimmst, ist deine eigene Leistung. Setz dir deshalb absolute Ziele. Lauf doch lieber dein eigenes Rennen, geh deinen eigenen Weg, begib dich auf deine eigene Reise. Das ist zugegebenermaßen nicht immer einfach. Schon in frühester Kindheit bekommen wir das Konkurrenzdenken und das Vergleichen mit anderen eingeimpft. „Schau mal, der Peter, der hat ein Tor mehr geschossen als du.“ „Ja, unser Georg ist schon mit acht Monaten gelaufen.“ „Und unsere Katharina ist Klassenbeste und hat fünf Einser im Zeugnis stehen.“ Durch die Beschallung der Medien wird das „Besser-als-jemand-anders-sein“-Denken weiter angestachelt.

Bei meinen sportlichen Projekten setze ich mir nur absolute Ziele. Eine bestimmte Platzierung interessiert mich schon seit Jahren nicht mehr. Das war zu Beginn meiner Laufkarriere noch bedeutend für mich. Doch seit ich mich nicht mehr mit anderen im Wettbewerb messe, ist meine Zufriedenheit beim Laufen viel höher. Ich kreiere mir meine eigenen Laufabenteuer. Das mache ich nicht, um einzigartig zu sein und mich von der Masse der Läufer abzuheben. Mir geht es vor allem um die Qualität einer Erfahrung, um die Intensität eines Erlebnisses, um das eigentliche Abenteuer. Dies lässt sich sowieso nicht auf Minuten und Sekunden bestimmen.

Mein Impuls

Vergleich dich nicht mit anderen. Gib dein Konkurrenzdenken auf. Ein relatives Ziel kann nie deine eigene Leistung messen, denn die Umstände, die einen Menschen an die Spitze bringen, liegen nicht in deiner Hand. Alles, worüber du bestimmst, ist deine eigene Leistung. Setze dir deshalb absolute Ziele.

Es geht nicht darum, besser als jemand anders zu sein. Es geht nur darum, besser als dein früheres Selbst zu sein. Frag dich deshalb immer, wenn du dir ein Ziel setzt: Ist es ein absolutes oder ein relatives Ziel?

Mein neues Abenteuer im Kaukasus: Die Expedition SEA2SEA

Wenn Ihr meinen Newsletter abonniert habt, konntet Ihr bereits erste Informationen zu meinem nächsten Abenteuer erhalten. Nun ist es bereits März und deshalb möchte ich Euch hier und heute verraten, weshalb es für mich langsam spannend wird: (mehr …)

Mache die Angst zu Deinem Freund – Teil I

Angst ist für die Seele ebenso gesund wie ein Bad für den Körper.

(Maksim Gorki, 1868–1936)

Angst – ein Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird. Denn Angst ist negativ, schlecht, kontraproduktiv. Doch stimmt das? Machen wir uns doch einmal bewusst, was Angst bedeutet: Angst ist nichts anderes als eine Emotion. Es ist eine Stimmung, die unangenehm ist, weil sie zu Anspannung, Besorgnis und starken körperlichen Reaktionen führt.

Ich suche mir sportliche Herausforderungen, bei denen ich beim ersten Gedanken daran spüre, wie mein Puls rast, wie die Unruhe in meinem Inneren aufflammt und sich mein gesamtes Wesen auf einen winzig kleinen Ausschnitt eines Augenblicks verdichtet. (mehr …)

Zieldimension: Große Ziele – Großes Potenzial

„Ziele nach dem Mond. Selbst wenn du ihn verfehlst, wirst du zwischen den Sternen landen“
(Friedrich Wilhelm Nietzsche, 1844–1900)

Das Problem ist bei vielen Menschen nicht, dass ihr Ziel zu groß ist. Das Problem ist, dass ihr Ziel zu klein ist oder dass sie gar keines haben. Wir haben in Bezug auf die Zielsetzung immer nur zwei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit ist: Wir können unsere Ziele an uns orientieren. Dann bleiben wir stehen.
Oder: Wir können uns an unseren Zielen orientieren. Dann müssen wir wachsen.
Wofür entscheidest du dich?

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Leidenschaft: Das Spiel zwischen Herz und Vernunft

Immer wieder höre ich die Stimme in mir, die sagt: „Tu es! Du musst es tun!“ Die Stimme fordert mich auf, etwas vollkommen Verrücktes und Nutzloses zu tun. Aber ich weiß, dass ich es tun muss. Und ich weiß ebenfalls: Wenn ich es nicht tue, wird ein kleiner Teil von mir für immer tot sein. So ging es mir, als ich über meine läuferische Durchquerung Feuerlands im Süden Patagoniens sinnierte. 600 Kilometer in zwölf Tagen durch die wilde und raue Landschaft Feuerlands zu laufen, klingt für die meisten Menschen etwas abgedreht. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ich bei dieser Expedition kein großes Team um mich hatte, das mir Sicherheit und Unterstützung gab. Die einzige Sicherheit war mein Babyjogger, in dem sich mein gesamtes Equipment befand. Die Stimme in meinem Kopf wurde, ungeachtet der objektiven Risiken bei diesem Projekt, immer eindringlicher, immer intensiver. „Tu es! Tu es! Tu es!“

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Shit happens – Über den Umgang mit Rückschlägen

Heute vor genau drei Wochen bin ich aus dem Iran wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Mein Vorhaben, die Kavir-Wüste im Iran zu Fuß von Nord nach Süd zu durchqueren, scheiterte bereits kurz nach Beginn an einem polizeilichen Verbot und zwang mich nach nur wenigen Kilometern zum Abbruch meiner Expedition. Nun, mit ein bisschen Abstand, sehe ich diese Erfahrung mittlerweile aus einer anderen Perspektive. Auch Rückschläge gehören zu unserem Leben und können für die Weiterentwicklung ungemein positive Auswirkungen haben, wenn wir nur die richtigen Konsequenzen daraus ziehen – im Sport wie im Berufsleben.

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Ein Beginn voller Vorfreude

Nun bin ich bereits, während ich diese Zeilen hier schreibe, seit über einer Woche wieder in Deutschland. Die vergangenen Tage verbrachte ich mit meiner Familie. Eine erholsame und wunderschöne Zeit, die ich sehr genossen und in der ich viel Kraft getankt habe.

Doch so wundervoll die gemeinsame Zeit für mich ist, ertappe ich mich immer wieder dabei, über meine Expedition im Iran nachzudenken. Die Bilder und Erlebnisse sind nach wie vor sehr lebendig und gegenwärtig. Ich kann teilweise immer noch nicht glauben, was passiert ist bzw. wie die Reise schlussendlich für mich verlaufen ist.

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