Erfolg

Glaube: Wovon du überzeugt bist, das wirst du erreichen

Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft

(Marie von Ebner-Eschenbach, 1830–1916)

Wovon hängt der Erfolg einer großen Laufexpedition ab?

Gute Vorbereitung – ja. Willenskraft – ganz sicher. Ausdauer – auf jeden Fall. Sicherlich auch von Faktoren wie dem Wetter oder dem Gesundheitszustand. Doch im Kern entscheidet der Glaube über Erfolg und Misserfolg einer Expedition. Du wirst nur ganz selten etwas erreichen, wovon du nicht zu hundert Prozent überzeugt bist. Ich kann mich körperlich noch so gut vorbereiten, unzählige Stunden in mein Training investieren, wenn ich jedoch nicht an mich, meine Stärken und an das Projekt glaube, werde ich scheitern.

Der Glaube ist die stärkste unsichtbare Kraft, die wir haben. Das wertvollste nicht-physische Eigentum. Glauben ist die Fähigkeit, das Unsichtbare zu sehen und sich das Unvorstellbare vorzustellen. Und genau das befähigt dich das zu erreichen, was die breite Masse in der Gesellschaft für unmöglich hält. Glauben heißt, von einer Sache felsenfest überzeugt sein, etwas mit jeder Faser seines Körpers zu wollen. Unser Leben wird in einem erheblichen Maße durch unsere Glaubenssätze geprägt. Denn: Was wir glauben, das leben wir. Und wir entscheiden, was wir glauben wollen.

Diese Kraft wird völlig unterschätzt, denn wir sind viel zu sehr an der Macht der Wissenschaft orientiert und viel zu wenig an der Macht des eigenen Glaubens.

Wir assoziieren in unserer Gesellschaft mit Glauben religiösen Glauben, doch nur der Glaube an dich und deine Fähigkeiten ist für deinen Lebenserfolg entscheidend. Ein starker Glaube befähigt dich dazu, Realitäten zu schaffen, die andere für unmöglich halten. Das habe ich als Extremsportler unzählige Male selbst erlebt. 1.120 Kilometer in 15 Tagen durch das australische Outback zu laufen, ist für die meisten Menschen unvorstellbar. Für mich war es dies anfangs auch. Doch dann veränderte ich mein Denken und meinen Glauben in Bezug auf dieses Vorhaben. Aus der anfänglichen Unsicherheit wurde immer mehr Gewissheit. Die Bedenken wandelten sich in Klarheit um. Die Zweifel verschwanden. „Run to the Rock“ wurde ein erfolgreiches Projekt. Ich schaffte es, weil ich von vorneherein fest daran glaubte, dass ich es schaffen kann. Wir erreichen etwas, weil wir glauben, dass wir es erreichen können. Frage dich deshalb: Hast du im Griff, was du glaubst? Oder hat dein Glaube dich im Griff?

Das Eigenartige dabei ist: Kein Mensch kann ihn sehen, er ist nicht greifbar und auch nicht messbar, aber der Glaube ist in Wirklichkeit der alles entscheidende Faktor, wenn wir über persönlichen Erfolg sprechen. Er stellt die Ursache und gleichzeitig die Basis für alle anderen Schritte dar. Der Glaube ist ganz eng mit deiner Sache und dem Erreichen deines Ziels verbunden.

Glaubenssätze entstehen durch Gedanken. Ein Glaubenssatz ist nichts anderes als ein Gedanke, den du so oft gedacht hast, dass du ihn für wahr hältst, und der täglich deine Lebensrealität spiegelt. Deine Glaubenssätze steuern eine Vielzahl deiner Gedanken. Diese erzeugen dann Gefühle. Aus diesen Gefühlen kommst du ins Handeln. Dein Handeln produziert deine Ergebnisse, die dann dein Leben werden. Sobald du es geschafft hast, deine Glaubenssätze zu verändern, veränderst du auch dein Denken.

Warum gibt es Menschen, die ihre eigenen Grenzen immer weiter verschieben, die scheinbar leichtfüßig von einem Erfolg zum nächsten eilen? Und wiederum andere, die stets nur in der eigenen Komfortzone bleiben? Es sind die Glaubenssätze, die den Unterschied ausmachen. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob du glaubst „Ich muss bis zur Rente arbeiten“ oder ob du glaubst „Ich bin ab 40 finanziell unabhängig“. Es ist ein großer Unterschied, ob du glaubst „Das schaffe ich“ oder ob du glaubst „Das ist eine Nummer zu groß für mich“.

Wenn du dir in deiner Vorstellung den Erfolg vorstellst, aber glaubst, dass du scheitern wirst, dann wirst du scheitern. Denn der Glaube ist stärker als die Vorstellungskraft. Wenn du beispielsweise glaubst, Abteilungsleiter in deinem Unternehmen zu werden, gleichzeitig aber starke Zweifel daran hast, die auf der Gefühlsebene stärker sind als dein Glaube, dann werden deine Zweifel gewinnen und die Position des Abteilungsleiters bleibt unerreichbar.

Apropos Vorstellungskraft: Ich bin überzeugt davon, dass ein Mensch, der keine große Vorstellungskraft besitzt, sie nie trainiert und entwickelt hat, im Leben auch nichts Großes erreichen kann. Grundlage dafür ist der Glaube. Und dieser wiederum bildet die Grundlage für das zielgerichtete Einsetzen der Vorstellungskraft.

Wenn du deine großen Träume, Ziele im Leben verwirklichen möchtest, dann musst du deinen Glauben entwickeln und einsetzen. Wenn du felsenfest an deine Ziele glaubst, dann fühlst du die Gewissheit, dass deine Wünsche sich verwirklichen werden. In dem Moment akzeptierst du nämlich, dass Gedanken in Wirklichkeit Tatsachen sind, und dass im Leben immer das Realität wird, was im Einklang zu deinen Gefühlen steht. Du wirst, woran du glaubst.

Mein Impuls

In unserem Leben passiert immer das, woran wir glauben. Was du glaubst, wird früher oder später Realität. Egal ob du bewusst daran denkst oder nicht. Dein Geist funktioniert auf Basis deines Glaubens und deiner Glaubenssätze. Glaube ist eine Einstellung, eine innere Gewissheit. Wenn du felsenfest glaubst, dass du etwas schaffst, dann schaffst du es auch. Die Betonung liegt dabei auf felsenfest. Es dürfen keinerlei Zweifel bestehen. Wenn du glaubst, dass etwas eine Nummer zu groß für dich ist, dann wird es so lange eine Nummer zu groß für dich sein, solange du glaubst, dass es eine Nummer zu groß für dich ist. Handle jeden Tag so, als wäre die Sache, an die du felsenfest überzeugt bist, bereits Realität. Es gibt keinen wahren und falschen Glauben. Es gibt nur deinen Glauben.

Was glaubst du über dich? Über deine Zukunft? Über das Leben?

Mach dir deine Glaubenssätze bewusst. Schreibe alle Glaubenssätze, positive und negative, auf ein Blatt Papier.

Sei dabei bitte ehrlich zu dir selbst. Frage dich: Wer hat das zu mir gesagt? Wo kommt diese Überzeugung in Wirklichkeit her? Wie wirkt sich dieser Glaubenssatz in meinem Leben aus?

Selbstkontrolle: Die Magie des Verzichts

Die Erfahrung ist wie eine Laterne im Rücken; sie beleuchtet stets nur das Stück Weg, das wir bereits hinter uns haben“

(Konfuzius, 551 bis 470 v. Chr.)

Im Jahr 2008 entschied ich mich, meinen sicheren und gutbezahlten Job als Unternehmensberater an den Nagel zu hängen und künftig mein Geld als Extremsportler und Vortragsredner zu verdienen. Das Ganze war natürlich mit einem großen Brocken Risiko behaftet, überhaupt keine Frage. Als Unternehmensberater hatte ich jeden Monat mein sicheres und gutes Einkommen. Dieses war von einem Monat auf den anderen nun weg. Ich musste mich zu Beginn meiner Selbstständigkeit mehr als einmal fragen, wie ich den kommenden Monat finanziell überstehen und wie es überhaupt weitergehen kann. In den Anfangsjahren musste ich auf jeden Euro achten und war über jeden einzelnen Vortrag glücklich, den ich halten durfte. Meine Lauf-Expeditionen waren, speziell zu Beginn meines Unternehmertums, zum Erfolg verdammt. Ein Scheitern konnte ich mir fast nicht leisten. Ich musste meine sportlichen Projekte zunächst komplett aus eigener Tasche vorfinanzieren. Finanzsponsoren, die bekannte Extrembergsteiger unterstützen, hatte ich nicht. Deshalb musste ich zunächst in Vorleistung gehen und hoffen, dass die sportlichen Projekte am Ende das Geld in Form von Vorträgen und Büchern wieder hereinholten. Das brachte mir mehr als nur eine schlaflose Nacht. Doch nur weil ich ein Risiko einging und kurzfristig Verzicht übte, kam ich langfristig auf den für mich richtigen Weg.

Nur weil ich meine Komfortzone verlassen und auf kurze Sicht Opfer gebracht habe, führe ich heute ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben. Mein Wille und meine Selbstkontrolle haben mich dorthin gebracht, wo ich heute stehe. Es gab Tausend Dinge, die dagegen sprachen, mich dem „Beruf Extremsportler“ zu widmen. Unzählige Gründe hätten den Aufbau eines eigenen Unternehmens verhindern können: Absagen, Zurückweisungen, Liquiditätsprobleme und andere Risiken. Aber meine langfristige Perspektive sah ich persönlich eben positiv. Und genau diese Perspektive, aus meiner großen Leidenschaft einen Beruf zu machen, ließ mich immer wieder meine persönliche Komfortzone verlassen und auch schwierige, unangenehme Aufgaben in Angriff nehmen. Wenn es kritisch wurde, dachte ich fünf bis sechs Jahre voraus und stellte mir vor, wie ich als Unternehmer erfolgreich bin.

Einige Menschen sind bereit, den Preis für ihren Erfolg zu bezahlen. Und zwar lange bevor er in Sichtweite kommt. Sie denken langfristig. Die meisten Menschen aber besitzen einen kurzen Zeithorizont. Sie streben nach unmittelbarer Belohnung und legen oft Verhaltensweisen an den Tag, die langfristig negative Folgen haben. Diese Menschen verweilen lieber in ihrer Komfortzone. Warum ist das so? Weil der Mensch über ein zweipoliges Antriebssystem, eine Art inneres Betriebssystem, verfügt: Freude und Schmerz. Grundsätzlich versucht unser Gehirn stets, Schmerzen zu vermeiden und Freude zu erfahren. Dabei ist das Bedürfnis, Schmerzen zu vermeiden, der stärkere von beiden Faktoren. Wenn wir uns nun beispielsweise vornehmen, mit Sport anzufangen, müssen wir zunächst die Hürde „kurzfristiger Schmerz“ bei den ersten Trainingsstunden überwinden, um mittel- bis langfristig das Ziel „Freude“ beim Sport erlangen zu können. Und das erfordert die Überwindung des berühmten inneren Schweinehundes. Zumindest zu Beginn. Deshalb ziehen viele Menschen lieber die kurzfristige Freude (Schokolade) der langfristigen (schlanke Figur durch Sport) vor und bleiben in ihrer Komfortzone.

Erfolgreiche Menschen sind bereit, in den sauren Apfel zu beißen. Sie tun dies, weil ihnen ihre Ergebnisse und langfristige Perspektive wichtig sind. Weniger erfolgreiche Menschen sind bestrebt, möglichst angenehme Methoden zu finden, um durch das Leben zu gehen. Sie suchen Entspannung, liegen in der Sonne, lenken sich ab, verlieren sich in alltäglichen Banalitäten, während erfolgreiche Menschen bestrebt sind, an sich und ihren Zielen zu arbeiten.

Mein Impuls

Kurzfristige Opfer sind der Preis, den du für langfristige Sicherheit bezahlen musst. Verzögerte Belohnung ist der Schlüssel zum Erfolg. Denk immer an die langfristigen Folgen deines Tuns! Das erfordert Disziplin und Selbstkontrolle. Und diese Fähigkeiten sind jedem Menschen möglich.

Wenn es dir gelingt, dich selbst zu kontrollieren und nicht jedem Verlangen sofort nachzugehen, musst du zwar kurzfristig Verzicht üben, hast jedoch auf lange Sicht viele Vorteile. Das Maß, in dem es dir gelingt, den Preis des Erfolgs im Voraus zu bezahlen und auf Belohnungen zu verzichten, bis du dein Ziel erreicht hast, entscheidet über den wahren (langfristigen) Erfolg.

Auf was verzichtest du, um deinen großen Zielen ein Stück näherzukommen?

Der Monat der ersten Male

Der November hat es für mich in diesem Jahr in sich. Im positiven Sinne. Ich habe mich lange auf diesen Monat vorbereitet und mir hohe Ziele gesteckt. Doch sind es Ziele, von denen ich weiß, dass ich sie erreichen kann und erreichen werde, was ich von einem bereits behaupten darf: (mehr …)

Weniger ist mehr

In vorangegangenen Blogartikeln habe ich bereits über die Definition von Erfolg geschrieben. Dies ist eines meiner Lieblingsthemen, denn die richtige Definition entscheidet oft, ob wir glücklich oder unglücklich sind.

Ein wunderbares Beispiel möchte ich heute hierfür aufgreifen und Euch davon erzählen: (mehr …)

Erfolg ist relativ

Ein Extremsportler wie ich lebt vom Erfolg, das ist mein Ziel, wenn ich einen Lauf oder gar eine komplette Expedition starte. Ein Beispiel hierfür ist der Ultra-Trail Mont Blanc, den ich nach langer Vorbereitung in 2007 absolviert und auch beendet habe. Meine Platzierung? (mehr …)

atacama – Das Erfolgstagebuch: Ein Projekt von Herzen

Im Laufe der letzten Wochen habe ich in meinen Blogartikeln verstärkt die Themen Glück, Erfolg und Dankbarkeit behandelt. Sie sind stark miteinander verknüpft und teilweise auch abhängig voneinander.

Wir sollten uns zwei Mal täglich darauf besinnen, was das Positive am jeweiligen Tag ausmacht. Morgens notiere ich mir, wofür ich dankbar bin, was mich Wunderbares am kommenden Tag erwartet und was ihn besonders macht. Am Abend notiere ich die Erfolge des Tages, die positiven Dinge. Diese schriftlichen Notizen nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen sind unglaublich wichtig, um einen positiven Blick, eine positive Grundeinstellung auf das Leben zu erhalten. So werden die guten Dinge im Leben visualisiert und festgehalten, so dass man sich jederzeit wieder daran orientieren kann. (mehr …)

Die Definition von Erfolg

Unser Leben ist oft eine ziemliche Achterbahn. Es gibt Höhen und Tiefen, die dazu beitragen wie wir uns fühlen, wie unser weiteres Leben verläuft, welche Entscheidungen wir treffen für unsere Zukunft. Erfolge und Misserfolge begleiten uns. Doch nehmen wir Erfolge überhaupt immer wahr? Oft sind es eher Misserfolge, die uns auffallen, denn sie sind ärgerlich, peinlich, stresserzeugend. (mehr …)

Dankbarkeit – das ideale Morgenritual

In unserem Leben ist im Grunde kein Tag wie der andere. Wir haben gute Tage, aber auch schlechte. Ist der Tag eher mies, spürt das nicht selten auch unser Umfeld. Du bist grantig, schottest Dich ab, durch die schlechte Stimmung geht irgendwann alles schief und Du hoffst, dass der Tag bald zu Ende ist und Du am nächsten Morgen eine neue Chance bekommst. (mehr …)

Glück durch Erfolg oder Erfolg durch Glück?

Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren,die glücklich sind.

 Francis Bacon

Im Leben gibt es immer Höhen und Tiefen. Dabei machen wir es uns häufig zum Ziel, erfolgreicher zu werden, was nicht immer leicht gelingt. Ständig haben Menschen das Bedürfnis, sich mit anderen zu messen, besser, stärker und schneller zu sein. Am Ende des Regenbogens erwarten sie den Topf voll Gold in Form von Glück. Sie setzen dem Glücklichsein die Notwendigkeit von Erfolg voraus. Somit entsteht ein Druck, an dem der Erfolg – sei es in Arbeit oder Sport – nicht selten scheitert. (mehr …)

Durchhaltevermögen: Weshalb 87.600 Stunden zum Erfolg führen

Ausdauer wird früher oder später belohnt. Meist später.

(Wilhelm Busch, 1832–1908)

Ausdauer ist langfristig gesehen der wichtigste Erfolgsfaktor im Leben. Denn: Fehler kannst du korrigieren, Probleme kannst du lösen. Aber wenn du aufgibst, dann ist es vorbei. Ich weiß, wovon ich spreche. Denn der Weg, den ich als Ultramarathonläufer gegangen bin und immer noch gehe, ist nur durch die Rückschläge im Marathon möglich geworden. Die ersten Jahre meiner Laufkarriere konzentrierte ich mich hauptsächlich auf die Marathondistanz, und diese wollte ich so schnell wie möglich absolvieren. Unter drei Stunden hieß im Jahr 2002 mein großes Ziel. Ich wollte beim Venedig Marathon diese magische Grenze schaffen. Am Ende lief ich dort 3 Stunden, 8 Minuten und 31 Sekunden. Ich ließ mich durch diese Erfahrung nicht entmutigen und versuchte es ein halbes Jahr später wieder. Beim Paris Marathon im April 2003 lief ich dann 3 Stunden, 9 Minuten und 15 Sekunden. Ich versuchte es wieder und auch beim Köln Marathon im Oktober 2003 schaffte ich es nicht, unter drei Stunden zu bleiben. Ich war frustriert, deprimiert und eine Welt schien für mich zusammenzubrechen. Bei der Suche nach neuen läuferischen Zielen entdeckte ich die Ultradistanzen für mich. Auf einmal nahm ich diese Strecken, jenseits der 42 Kilometer des Marathons, wahr. Zuvor hatte ich immer nur durch die Brille eines Marathons geschaut. Und erst auf den Ultramarathondistanzen, auf denen ich meine Stärken viel besser einsetzen kann, stellten sich nach und nach Erfolge ein.

Was ich in meiner Laufkarriere gelernt habe, ist, dass es keinen schnellen Erfolg gibt. Auf dem Weg zum Ziel gehören Rückschläge, Hindernisse und Hürden dazu. Und das erfordert von Ausdauer und Durchhaltevermögen, zwei wesentliche Eigenschaften, wenn es um persönlichen Erfolg geht. Als ich mir vor Kurzem wieder das Höhenprofil des Ultra-Trail Mont Blanc, einem der anspruchsvollsten Bergläufe in Europa, angesehen habe, stellte ich fest, dass dieses Profil doch auch unser Leben symbolisiert. Das Profil dieses extremen Berglaufs über mittlerweile 166 Kilometer, 9.400 Höhenmeter und zehn alpine Bergpässe spiegelt unser Leben wider. Denn unser Leben verläuft nicht auf einer ebenen, geraden Strecke wie bei einem Citymarathon. In unserem Leben geht es doch immer wieder auf und ab, Hochs und Tiefs wechseln einander ab. Zunächst gilt es, überhaupt einmal zu starten, anzufangen und die ersten Schritte zurückzulegen. Zu Beginn haben wir häufig noch die Begeisterung und die Leidenschaft in uns. Alles scheint einfach zu sein und wie von selbst zu laufen. Doch auf dem weiteren Weg treten dann die ersten schwierigen Situationen auf. Hürden und Hindernisse stellen uns auf die Probe.

Solche Hindernisse sind beim Lauf um den Mont Blanc beispielsweise die brutalen Anstiege, das Laufen bei Nacht, die eisige Kälte, die Müdigkeit oder die steilen Abstiege. Im Alltagsleben können solche Hindernisse schwierige Telefonate, wichtige Präsentationen, entscheidende Spiele oder schwerwiegende Verletzungen und Krankheiten darstellen. An diesem Punkt entscheidet es sich: Gehen wir weiter oder geben wir auf? Sehen wir das Hindernis als unüberwindbar an oder betrachten wir es als Herausforderung? Jetzt kommt es nur auf das Durchhaltevermögen an. Viele Menschen geben leider schon beim ersten Berg, bei der ersten Hürde, beim ersten Hindernis auf. Andere überwinden die Anfangsschwierigkeiten, geben dann aber mittendrin auf. Oder sie bezwingen fast alle Hindernisse und hören kurz vor dem Ziel, beim allerletzten Hindernis, auf. Obwohl nur noch ein paar Meter zum Ziel fehlen, ein wenig mehr Anstrengung, notwendig gewesen wäre, um den großen Erfolg zu erreichen. Wenn du vor einem steilen Berg stehst und in dir Zweifel aufkommen, ob du diesem Hindernis gewachsen bist, besteht die große Kunst darin, einfach weiterzumachen. Ob beim Extremsport oder im normalen Leben.

Doch wie schaffen wir das? Wie schaffen wir es, nach zehn erfolglosen Telefonaten wieder zum Hörer zu greifen und weiterzumachen? Wie schaffen wir es, uns nach drei erfolglosen Marathonläufen für den nächsten zu motivieren? Indem wir uns bewusst machen, dass wir Zeit brauchen. Ausdauer und Durchhaltevermögen haben sehr viel mit Zeit zu tun. Ich kann nicht heute mit dem Laufen beginnen und dann schon übermorgen erfolgreich 166 Kilometer um den Mont Blanc laufen wollen. Das geht nicht. Wir müssen uns einfach von Anfang an bewusst machen, dass es ein langer Weg zum Erfolg ist. Zuerst muss immer die Anstrengung erfolgen und erst danach, mit zeitlicher Verzögerung, erhalten wir die Belohnung. Und über diese zeitliche Verzögerung müssen wir uns schon von Beginn an im Klaren sein. Ich muss zunächst unzählige Stunden in mein Training investieren, um überhaupt um den Mont Blanc laufen zu können und dann auch ins Ziel zu kommen. Klingt eigentlich logisch, oder? Den umgekehrten Weg zu gehen, macht schlichtweg keinen Sinn. Doch genau das wollen anscheinend viele Menschen: erfolgreich sein und dafür nichts tun. Doch so funktioniert das nicht. Zu diesem Punkt können wir sehr bildhaft das Pareto-Prinzip, besser bekannt als die 80:20-Regel, anwenden. Achtzig Prozent eines Erfolgs kommen erst mit den letzten zwanzig Prozent der Anstrengung. Oder anders ausgedrückt: Wir müssen zunächst einmal einen Großteil an Zeit und Energie (80%) aufwenden, um überhaupt die ersten Erfolgserlebnisse (20%) zu bekommen. Das erfordert kurzfristig Selbstdisziplin und langfristig einen langen Atem.

Wie lange benötigen wir, um auf einem Gebiet, egal in welchem Lebensbereich, zur Spitze zu gehören? Wie lange brauchen wir, bis wir eine Sache, die wir beginnen, sehr gut beherrschen? Bis es so weit ist, dass jemand in seinem Schwerpunktthema Expertenstatus erhält, sind mindestens sieben, realistischerweise eher zehn Jahre notwendig. Zehn Jahre. Oder 120 Monate oder 3.650 Tage oder 87.600 Stunden. Doch viele Menschen gehen tatsächlich davon aus, dass sie von heute auf morgen erfolgreich werden, dass sie gar nichts dafür tun müssen und ihnen alles in die Wiege gelegt wird. Was für ein Trugschluss! Ohne Arbeit, ohne Engagement, ohne Anstrengung, ohne Selbstdisziplin und vor allem ohne Durchhaltevermögen kommen wir nicht weit im Leben. Der extreme Ausdauersport ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Training, Training und nochmals Training, über Wochen, Monate und Jahre stellen die Basis zum Erfolg dar.

Darüber hinaus bestimmen noch zwei weitere Faktoren, ob du bei einem Extremlauf durchkommst oder aufgeben musst: deine Willenskraft und eben das Durchhaltevermögen. Fehlendes Durchhaltevermögen und mangelnde Beharrlichkeit sind zwei der Hauptgründe, warum viele Menschen scheitern. Sie geben einfach zu früh auf.

Mein Impuls

Du brauchst Zeit, bis du in einem Lebensbereich wirklich Erfolg haben kannst. Nichts geschieht von heute auf morgen. Zuerst erfolgt immer die Anstrengung und erst danach, mit zeitlicher Verzögerung, erhältst du die Belohnung. Und über diese zeitliche Verzögerung musst du dir schon von Beginn an im Klaren sein.

Mach dir bewusst: du benötigst mindestens ein Jahr, um etwas zum Laufen zu bringen. Deine Selbstständigkeit, ein neues Projekt, eine große Aufgabe. Du benötigst zehn Jahre, um eine Sache exzellent zu beherrschen. Deshalb: Arbeite hart an dir und sei geduldig.

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