Wer schreibt, der bleibt.

(Volksmund)

Eine der längsten Strecken, die ich bisher je gelaufen bin, ist das Grand Union Canal Race in England. Dieses Rennen geht über insgesamt 145 Meilen, 232 Kilometer – am Stück. Das sind fünf ausgewachsene Marathonläufe plus einem Halbmarathon. Bei dem Rennen startest du im Zentrum von Birmingham und läufst dann nonstop, innerhalb von maximal 45 Stunden, nach London.

Dabei darfst du während des Rennens nicht länger als vierzig Minuten an einem Punkt pausieren, sonst wirst du disqualifiziert. Von den gestarteten 86 Läufern erreichen am Ende nur 34 das Ziel. Die unglaublich lange Distanz von 232 Kilometern bedeutete für mich damals eine ungemein große Herausforderung und absolute Grenzerfahrung. Denn die Strecke führte während des gesamten Laufes längs des Grand Union Canals.

Nach insgesamt 40 Stunden und 56 Minuten erreichte ich das Ziel in London. Doch so lange und monoton die Strecke auch gewesen ist, ich konnte mich fast nicht verlaufen, weil es eben immer nur ein Weg war. Dieser wechselte zwar von einem breiten Wanderweg über eine schmale Schotterpiste bis hin zu einem matschigen Trampelpfad, doch eines blieb immer gleich: Es ging den Kanal entlang. 232 lange Kilometer.

Der englische Veranstalter wollte die Streckenführung noch sicherer gestalten und hatte die gesamte Strecke von Birmingham bis London sehr genau beschrieben und als einzelne Karten ausgegeben. Eine Karte zeigte jeweils einen Ausschnitt von fünf Meilen. Da das Rennen über 145 Meilen ging, gab es also insgesamt dreißig solcher Karten. Auf jeder Karte war jede Brücke und jeder Verpflegungspunkt einzeln markiert und genau beschrieben. Ich erhielt also für jeden Streckenabschnitt, für jedes Detail, eine genaue schriftliche Anleitung auf dem Weg zum Ziel. Ich musste im Endeffekt nur noch laufen.

Warum erzähle ich dir das alles so genau? Weil nur die wenigsten Menschen solch eine schriftliche Anleitung für ihr eigenes Leben haben. Weil nur die allerwenigsten Menschen eine genaue Lebensplanung und eine konkrete Zieldefinition erstellen. Was bei einem Lauf wie in England eine Selbstverständlichkeit ist, wird für so etwas elementar Wichtiges wie unser Leben häufig vernachlässigt. Statistiken zeigen nämlich, dass nur vier Prozent aller Menschen in den westlichen Industrienationen ihre Ziele schriftlich festhalten. Warum ist das so? Die meisten glauben, sie hätten schon Ziele. Dabei handelt es sich meistens „nur“ um gute Vorsätze, um fromme Wünsche oder um irgendwelche Träume. Wenn jemand beispielsweise zu mir sagt, dass er sich ab nächstem Monat gesünder ernähren wolle, dann ist das kein Ziel, sondern bestenfalls ein Vorsatz.

Unser Gehirn benötigt jedoch Fakten und Zahlen, um entsprechende Befehle zu senden. Solange unser Gehirn nicht konkret weiß, was es tun muss, wird es überhaupt nichts tun. Unser Gehirn benötigt eine schriftliche Anleitung, um konkret zu wissen, was es als Nächstes zu tun hat.

Und diese Anleitung geben wir ihm, wenn wir ihm unsere Ziele schriftlich mitteilen. Was wir nur im Kopf haben, vergessen wir ganz schnell wieder. Was wir dagegen mit unseren eigenen Augen sehen, weil es schriftlich festgehalten wurde, können wir uns jeden Tag immer wieder in unser Bewusstsein rufen.

Das Prinzip der Visualisierung ist in vielen Bereichen des Lebens sehr effektiv.

Wie Du sie optimal für Deine Ziele einsetzen kannst und welche Auswirkungen dies auf Dein Gehirn hat, kannst Du in der kommenden Woche auf dem Blog lesen.