An sich laufe ich ja. Der Beruf des Extremläufers bringt das mit sich. Laufen ist aber nichts anderes als die schnelle Version von gehen. Wir Menschen gehen ständig. Leider tun wir das sehr selten bewusst. Sondern wir begeben uns einfach von A nach B. Während des Gehens gedanklich schon am Ziel und vielleicht sogar beim nächsten Ziel, dem nächsten Termin … So nehmen wir sehr oft überhaupt nicht wahr, was wir während des Gehens sehen, fühlen, riechen können. Wir haben keine Ahnung, was um uns herum geschieht, weil wir bereits so sehr fokussiert sind auf das, was uns an unserem Ziel erwartet. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wovon ich spreche. In diesen Fällen ist der Weg bedauerlicherweise nicht das Ziel.

Bei meinen Läufen nehme ich immer sehr, sehr bewusst meine Umgebung wahr. Ich gebe zu, es ist einfacher, im Moment zu bleiben, wenn man gerade in der Wüste ist und nichts und niemand um einen herum ist, der oder das Ablenkung bietet. Dann ist das einzige, was wirklich Sinn macht, sich auf jeden einzelnen Laufschritt zu konzentrieren. Jeder einzelne Schritt, der mich meinem großen Ziel einen Schritt näher bringt. Wenn ich mir in solchen Momenten überlege, wie viele anstrengende Kilometer mich noch von meinem Ziel trennen, dann ist die Gefahr der Entmutigung groß. Deswegen bleibe ich im gegenwärtigen Augenblick und freue mich über jeden gelaufenen Schritt.

Wir müssen aber gar nicht in der Wüste sein oder Extremsport betreiben, um bewusst zu gehen oder zu laufen. Dies lässt sich in jedem Moment, wo immer wir uns befinden, perfekt umsetzen. Meine Kollegin Andrea Latritsch Karlbauer zeigt das ganz fantastisch in ihrem Buch „Wer geht gewinnt – Wie ihr Gehen ihr Handeln bestimmt“.

http://www.amazon.de/Wer-geht-gewinnt-Handeln-bestimmt/dp/3902903848/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1409918677&sr=1-1&keywords=wer+geht+gewinnt

Ich habe es ständig zustimmend nickend mit Begeisterung gelesen! Es war mehr als an der Zeit, dass sich jemand dieses wichtigen Themas so professionell und gleichzeitig einfühlsam annimmt.

Denn, nur das bewusste Gehen schafft Verbindung zu uns selber, ist auch Fundament unseres Charakters und dadurch unseren Handelns. Besonders gut gefallen haben mir die Schilderungen der „Spaziergänge am Bach“, der Autorin mit ihrem Hund und die das Ende jedes Kapitels begleiten. Wunderbare Reflexionen über die Natur und was wir vom bewussten Gehen oder Laufen in dieser alles für uns mitnehmen können.

Ich bereite mich ja gerade auf mein neues Abenteuer in der Wüste Gobi vor. Auch dort werde ich wie immer das bewusste Laufen praktizieren. In schwierigen Situationen – und die werden zwangsläufig bei solch einem Abenteuer auftreten – denke ich einfach an Andrea und sage mir „Wer läuft, gewinnt“.