Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben. (Mark Twain)

8.848 Meter über dem Meeresspiegel. Das ist die Zahl, die mein Höhenmesser anzeigt.

Jeder Schritt fällt mir hier oben unglaublich schwer. Mein Puls rast. Meine Lungen brennen. Ich schnappe nach Luft. Der Wind peitscht mir den Schnee ins kalte Gesicht. Es ist unglaublich kräftezehrend, in dieser Höhe durch den Schnee zu marschieren. Es ist kalt. Saukalt.
Minus 38 Grad. Meine Finger sind klamm und lassen sich nicht mehr bewegen. Doch sie schaffen es gerade noch, die Griffe meines Mountainbikes festzuhalten. Gleich stürze ich mich den Berg hinunter. Ein Downhill, eine Bergabfahrt vom Mount Everest – der Gedanke treibt meinen Puls auf ein Maximum. Der schiere Tempoorgasmus. Der pure Geschwindigkeitsrausch. Ich steige auf den Sattel, richte nochmals meinen Rucksack und los geht’s …

Keine Angst, das ist nicht real. Das stellt nur einen Traum dar. Es ist MEIN Traum.

Dieses Szenario spielte sich nur in meiner Gedankenwelt ab. Doch was heißt hier nur?Träume sind ungemein wichtig. Träume geben uns Lebendigkeit. Träume machen Lust auf mehr. Träume erzeugen gute Gefühle. Träume steigern die Lebenslust.

Das Problem ist: Wir haben es als Erwachsene verlernt zu träumen. Von Kindesbeinen an wurden wir zum Schwimmen im gleichförmigen „Gesellschaftsstrom“ getrimmt. Äußere Erwartungen erfüllen, anpassen, konform sein war angesagt. Bloß nicht anders sein und auffallen, lautete die Devise.

Das Fach „Träumen“ steht leider nicht auf dem Lehrplan. Wenn ein Kind zu seinem Vater sagt: „Du Papa, ich will später einmal mit einem Tuk-Tuk die ganze Welt bereisen“, dann antwortet der Vater vielleicht: „Wow, das ist eine außergewöhnliche Idee, mein Junge“. Wenn du das Gleiche 40 Jahre später sagst, dann wirst du schief angeschaut und gefragt, ob bei dir alles in Ordnung ist.

Doch warum haben Träume bei vielen Erwachsenen so einen negativen Beigeschmack? Warum haben viele Menschen aufgehört zu träumen beziehungsweise ihre Träume zu leben? Die Sache ist doch die: Wer Träume hat, hat Wünsche. Wer Wünsche hat, kann daraus Ziele formulieren. Und wer Ziele besitzt, verspürt Motivation und kommt ins Handeln und gestaltet sein Leben selbst. So lebst du deinen Traum.

Kinder sind die Traum-Lehrer

Seinen Traum zu leben bedeutet, das Träumen zu lernen und es zu praktizieren. Und träumen zu lernen heißt, (wieder) von Kindern zu lernen. Es ist phänomenal, WIE Kinder denken. Ich kann das täglich bei meiner Tochter beobachten. An einem Tag will sie Feuerwehrmann werden, am nächsten fährt sie mit einem selbstgebauten Wohnmobil nach Afrika, dann will sie mit einem Flugzeug auf den Mond fliegen. Das sind doch bloß Träumereien, tut der eine oder Leser andere dies vielleicht ab. Sind sie das wirklich?

Wir haben doch alle irgendwelche Wünsche und Vorstellungen, wie unser Leben aussehen soll. Die Kunst ist es, seine Träume auch zu leben.

Als ich mich vor Kurzem mit einem Bekannten über Träume und Ziele unterhielt, meinte dieser: „Im Moment kann ich noch nicht meinen Träumen nachgehen. Es ist einfach noch nicht der geeignete Zeitpunkt da.“ „Wann ist denn der richtige Zeitpunkt?“, fragte ich zurück. Gibt es überhaupt den richtigen Zeitpunkt? Mach dir bewusst, dass es einen optimalen Zeitpunkt für eine Veränderung gar nicht gibt. Jedes Mal, wenn du eine Handlung aufschiebst, entfernst du dich ein Stück mehr davon. Die Situation, in der du dich gerade befindest, ist nicht das Entscheidende. Die einzig wichtige Frage lautet: Wer und was willst du in Zukunft sein? Die Vergangenheit ist nicht gleich der Zukunft. Du kannst dir jederzeit eine neuartige Zukunft erschaffen.

Träume können Leben verändern

Zu viele Menschen vermuten die Erfüllung ihrer Träume in den Tätigkeiten, denen sie gerade nachgehen. Tatsächlich können sie die Leidenschaften in ganz anderen Bereichen finden. Stefan, ein Freund von mir, ist dafür ein Paradebeispiel. Viele Jahre arbeitete er als Investmentbanker. Über Jahre, tagein und tagaus, übte er diesen gut bezahlten Job aus, für den ihn viele Menschen beneiden würden. Er erzählte mir, wie er durch die halbe Welt reiste. London, Singapur, Frankfurt. First Class versteht sich. Im teuren Anzug und mit edler Seidenkrawatte. Nur in den luxuriösesten Hotels stieg er ab. Doch mit der Zeit fühlte er sich zunehmend unwohler in seiner Haut. Er spürte, dass er einen Weg eingeschlagen hatte, der für ihn immer mehr in eine Sackgasse mündete. Wie ein Gefangener im Gefängnis „Bank“ fühlte er sich.

Dann traf er eine Entscheidung: Er kündigte und machte erstmal nichts. Heute ist er Veranstalter außergewöhnlicher Laufevents. Unter der Marke „Global Limits“ bietet er Laufreisen nach Bhutan, Kambodscha und Sri Lanka an. Seine Leidenschaft für das Reisen, für ferne Länder und Kulturen sowie seine Begeisterung für das Laufen hat er zum Lebensmittelpunkt gemacht. Er lebt seinen Traum.

Doch wie viele Menschen machen ihre Leidenschaft zum Lebensmittelpunkt? Wie viele hören vorzeitig auf zu träumen? Weil sie sich zu wenige Gedanken um die Richtung gemacht haben, die sie gerne einschlagen würden. Weil sie es nicht für möglich halten, morgen etwas ganz anderes zu machen als gestern und heute. Wir haben die Wahl: Entweder leben wir unsere Träume oder wir helfen anderen bei der Erfüllung ihrer Träume. Dazwischen gibt es nichts. Für was entscheidest du dich?

Mein Impuls

Zu träumen ist eine sehr bereichernde Aktivität. Nimm dir jeden Morgen nach dem Aufwachen und jeden Abend vor dem Einschlafen nur ein paar Minuten Zeit und beschäftige dich intensiv mit deinen Träumen und Wünschen. Die erste Stunde gehört dir, sollte dabei dein Motto sein. Frage dich: Wie beginnst du den Tag? Was ist das Erste, was du nach dem Aufstehen machst? Wann hast du das letzte Mal so richtig geträumt?
Lehne dich von Zeit zu Zeit zurück und frage dich: Lebe ich meine Träume? Oder lebe ich die Träume eines anderen?