Begegnung mit Nomaden_klein

Immer wieder werde ich gefragt, was denn meine Reise in die Mongolei so besonders gemacht habe. Da gibt es einige Faktoren. Die schier endlose Weite der Wüste. Oder den beeindruckenden Sternenhimmel. Definitiv auch das unbeschreibliche Freiheitsgefühl, das ich während den zwei Wochen in der Wüste erfahren durfte. Doch die besonderen Momente hatte ich mit den Menschen dort. Fast täglich begegnete ich Nomaden und Hirten. Über ein Erlebnis, das bis heute sehr lebendig in Erinnerung geblieben ist, möchte ich Euch im Folgenden berichten.

Es ist Etappe 3 der EXPEDITION GOBI. Eine riesige, karge Landschaft mit nur wenigen Sträuchern und Gräsern umgeben mich. Wohin ich auch schaue. Nichts außer Wüste. Die Dimensionen in der Mongolei sind gigantisch. Gut 27 Kilometer habe ich bereits in den Beinen. In der Ferne mache ich ein paar Gers, die traditionellen Zelte der Nomaden und zwei Reiter aus, die schnurstracks auf mich zukommen. Mit einem breiten Lächeln und einem freundlichen Hello begrüßen mich zwei junge Männer. Kaum älter als 20 Jahre. Sie stellen sich als Diggy und Bee Bee vor. Einer von ihnen spricht etwas englisch. Ob ich Hunger habe? Ob mir etwas fehle? Sie bitten mich ihnen zu folgen. Je näher ich den Gers komme, umso mehr Menschen erblicke ich. „Wir sind eine große Familie“, erklärt mir Diggy. Alle betrachten mich mit großer Neugierde. Eine beeindruckende Ruhe und Gelassenheit strahlen ihre Gesichter aus. Besonders mein Babyjogger hat ihr Interesse geweckt. Fast jeder will ihn einmal anfassen und mit ihm eine Runde drehen. Diggy bittet mich in eines der insgesamt fünf Zelte hinein. Hier drinnen ist es kuschelig warm. Einen kleinen Tisch, ein paar Stühle und vier Betten mache ich aus. In der Mitte befindet sich ein Ofen. Ein großer Topf mit Milch steht darauf. Ich fühle mich pudelwohl, obwohl fast keiner englisch spricht. Doch wir lachen, schauen gemeinsam Fotos an und verständigen uns irgendwie mit Händen und Füßen. Eine Schale mit Stutenmilch wird mir gereicht. Dazu Kekse und eine Schüssel mit Pferdefleisch. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus schmackhaft.

Besonders beeindruckt bin ich von der Jurte. „Sie besteht aus einem runden Holzgerüst, das mit Baumwoll- und Filztextilien eingedeckt wird. In weniger als einer Stunde kann sie abgebaut und an einem anderen Ort schnell wieder aufgebaut werden. Für den Transport reichen zwei Kamele oder ein kleiner Geländewagen aus. Vier bis sechsmal im Jahr ziehen wir um“, erzählt mir Diggy stolz. „Unsere Tiere benötigen ständig neue Weideflächen.“ Über 1.000 Pferde und gut 2.000 Schafe darf die Familie ihr Eigen nennen. Beim Abschied bekomme ich einen Leib Brot und zwei Flaschen mit Milch überreicht. Zuvorkommend, unbefangen, gastfreundlich und warmherzig – diese Attribute beschreiben die Mongolen sehr treffend. Selten zuvor habe ich mich als Fremder so willkommen gefühlt wie hier bei den Nomaden in der Wüste.

In den folgenden Tagen denke immer wieder an diesen wunderschönen Tag und die Begegnung mit den Nomaden zurück.